Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

"Gemeinde heute und morgen" - Bericht KKT 3.4.2013

Kirche heute und morgen

Entwicklungen und Beobachtungen im Jahr 2013 im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck.
Kurzfassung des Referates zur Situation der Kirche hier vor Ort:

1. Der Gottesdienst ist bei uns sichtbar Mitte des Gemeindelebens, es gibt eine vielfältige Gottesdienstkultur zu besonderen Themen und Anlässen; die 1. und 2. Feiertage im Kirchenjahr geben ihre Bindekraft zum Teil an neue Traditionen ab.

2. Den „normalen“ Sonntagmorgengottesdienst gibt es kaum noch und ein Großteil der Gottesdienstbesucher im Jahr lässt sich durch besondere Gottesdienste ansprechen.

3. Unsere Konfirmanden stellen am Sonntagmorgen mitunter mehr als die Hälfte der Gottesdienstbesucher und der Sonntagsgottesdienst ist für sie durchaus interessant.

4. Die so genannten „Kasualien“ haben persönlich, familiär und kirchlich eine hohe Bedeutung gewonnen, sind „keine religiösen Restbestände“, sondern eine eigene Form gelebter Kirchlichkeit und Zugehörigkeit zur Gemeinde.

5. Die Konfirmandenarbeit ist vielfältig und ansprechend und Konfirmanden ziehen durchweg ein positives Fazit zur Konfirmation, was auch durch die Konfirmandenstudie bundesweit belegt wird.

6. Zusammenarbeit unter den Gemeinden ist die Regel geworden, um die Folgen des demografischen Rückgangs der Gemeindegliederzahlen und die sinkende Finanzkraft zu bewältigen. Unsere Gemeindearbeit wird sich im Blick auf die demografische Entwicklung wandeln und neu ausrichten müssen.

7. Fundraising mit verbesserter Spendenwerbung, Fördervereinen und Stiftungen ist in den Gemeinden angekommen, kann aber die weitere Notwendigkeit regionaler Zusammenarbeit nicht ersetzen; Kirchturmdenken ist faktisch nicht mehr zukunftsfähig, denn „Kirche in der Region“ und ortsnahe Strukturen schließen sich nicht aus.

8. Wir sind als Gemeinde Jesu Christi mit der Botschaft der Menschenfreundlichkeit Gottes zuverlässig für die Menschen da, bezeugen diese Botschaft in unterschiedlichen Lebensbezügen und arbeiten mit vielen Akteuren zusammen. Bei allen Veränderungen in den Gemeinden bleibt unser kirchlicher Auftrag derselbe.

9. Ein sorgsamer Umgang mit den mitarbeitenden Menschen ist wichtig, nicht nur mit den Finanzen. Hier sind alle zu nennen, die sich in großer Verantwortung engagiert für ihre Gemeinden einsetzen. Anforderungen und Arbeitsdichte für Haupt- und Ehrenamtliche in Kirchenkreis, Gremien und Gemeinden sind hoch.

10. Wir achten in Zukunft miteinander miteinander mehr als bisher darauf, woher wir Motivation und Kraft nehmen können, was uns immer wieder neu bewegt und antreibt. Wir fragen selbstbewusst und optimistisch: „Was strahlt schon jetzt aus und was soll in Zukunft verstärkt werden?“ / „Wo liegen unsere Stärken, was können und was wollen wir als kirchliche Gemeinden jetzt und in Zukunft für die Menschen an unserem Ort sein?“

Ausblick:
Wir sagen deutlich, warum Menschen gerade bei uns mitarbeiten sollten. Wir stärken uns im Kirchenkreis gegenseitig für unseren gemeinsamen Auftrag. Wir definieren verstärkt Aufgabenfelder, stellen den Hauptamtlichen ein ausreichendes Zeitbudget zur Verfügung und garantieren Ehrenamtlichen Einführung, Schulung, Begleitungund Fortbildung.

Wolfgang Preibusch / April 2013

 

„Sieben Irrtümer“ kirchlicher Arbeit

„Sieben Irrtümer“ in der kirchlichen Arbeit
21.09.2012
Deutsches Pfarrerblatt benennt „Sieben Irrtümer“ der Kirche

Schifferstadt (idea) – „Sieben Irrtümer in der kirchlichen Arbeit“ hat das Deutsche Pfarrerblatt (Schifferstadt) in seiner aktuellen Ausgabe benannt. Der Autor, Pfarrer Wolfgang Preibusch (Kirchtimke/Niedersachsen), kritisiert beispielsweise die Behauptung, dass Gemeindearbeit nur dann erfolgreich sei, wenn sie in der Presse wahrgenommen werde. Diese Einstellung sei falsch, weil Verkündigung, seelsorgerliche Begleitung von Menschen, Diakonie und kirchliche Bildung nur durch Begegnungen und unmittelbare Kommunikation möglich seien. Diese Form der kirchlichen Arbeit stärke den Glauben und fördere die Gemeindebildung. Preibusch warnt davor, die mediale Wahrnehmung von Gemeindeaktivitäten überzubewerten. Allerdings solle man sie auch nicht vernachlässigen.

Gemeinden brauchen Gestaltungsspielräume

Als weiteren Irrtum nennt Preibusch die Vorstellung, eine Kirchenleitung könne mit Programmen und Kampagnen die Arbeit der Kirchengemeinden steuern. Dies könne nicht gelingen, weil die Bedingungen, unter denen Gemeinden arbeiteten, sehr unterschiedlich seien. Die Situation auf dem Lande sei mit den Verhältnissen in der Stadt nicht vergleichbar. Darauf könne man nicht mit einer allgemeinen Strategie reagieren. Besser sei es, den Gemeinden nur wenige Vorgaben zu machen, die Verantwortung vor Ort zu stärken und neue Gestaltungsspielräume zu ermöglichen.

Kirchenleitung muss regulieren

Preibusch weist auch die Ansicht zurück, dass Leitungsstrukturen nicht so wichtig seien, weil Teamarbeit zunehme. Eher trete das Gegenteil ein: Knappe Kassen, sinkende gesellschaftliche Relevanz und zunehmender Stellenabbau bewirkten Erfolgsdruck, Frustration, Enttäuschung und übereilten Aktivismus. Das Ergebnis seien „unkontrollierte Prozesse“, über deren Ergebnisse der Zufall entscheide. Es führe selten zu einem gemeinsam abgestimmten Handeln. Deshalb bedürfe es einer Regulierung, damit das Zusammenspiel von Gesamtkirche, Einzelgemeinde und konkretem kirchlichen Dienst nicht zerfalle.

Damit sich die Kirche nicht schadet

Kritik übt Preibusch ferner an der Forderung, die kirchliche Arbeit müsse vor allem auf ihr eigenes Profil achten und sich von Arbeitsfeldern zurückziehen, in denen das nicht unmittelbar sichtbar werde. Diese Auffassung sei ein Irrtum, der der Kirche schade. Das Zusammenwirken mit anderen Menschen – etwa im Kindergarten, in der Schule, im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder in Selbsthilfegruppen – entspreche dem Auftrag der Kirche und sei Teil ihrer Verkündigung.

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