Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Geschichte und Gegenwart

Zur Geschichte und Gegenwart

„Ev.-luth. St. Lambertus-Gemeinde Kirchtimke“

Ein Kirchspiel mit sechs Dörfern
Unsere Kirchengemeinde umfasst die drei Timke-Dörfer sowie die Ortschaften Hepstedt, Breddorf und Steinfeld und ist flächenmäßig eine der größten Gemeinden im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck. Zur Pfarrstelle gehören etwa 2500 Gemeindeglieder. Neben den Gottesdiensten um 10.00 Uhr an Sonn- und Festtagen finden in loser Abfolge "Gottesdienste mal anders" am Abend im Gemeindehaus statt. Unser Posaunenchor gehört zu den ältesten der Landeskirche. Eltern-Kind Gruppen werden bei uns angeboten und verfügen über eigene Räumlichkeiten im Gemeindehaus. Gemeindenachmittage, Besuchsdienst, Frauenkreis, Chorarbeit und Kindergottesdienst und die vorgezogene Konfirmandenarbeit im 4. Schuljahr zeigen eine lebendige Gemeinde.

Erste urkundliche Erwähnung
Die erste uns bekannte urkundliche Erwähnung des Dorfes Kirchtimke stammt aus dem Jahre 1148, in der berichtet wird, dass Bischof Thietmar von Verden dem Domkapital den Zehnten aus mehreren Dörfern schenkt, darunter "Timbike". Zu dieser Zeit wird hier in Kirchtimke die erste Kirche erbaut worden sein. Der alte romanische Taufstein, der noch aus dieser früheren Kirche stammt, wird etwa auf das Jahr 1200 datiert. Wegen Baufälligkeit und Platzmangel wurde dann 1739 an gleicher Stelle unsere heutige, größere Kirche erbaut. Die Kanzel stammt noch aus dieser Zeit. Neben dem alten Taufstein ist ein frühgotisches Kruzifix aus Eichenholz (um 1280) erwähnenswert, in dessen hohlen Korpus sich eine Lambertus-Reliquie befand.

Zum Namen
Der Name "Kirchtimke" wird in letzter Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem alten Gewässernamen in Verbindung gebracht, "beki", "biki" , mittelniederdeutsch "beke“ = "Bach" oder "Quelle". Timke dürfte dann in der ersten Silbe von „Tin-“ oder „Tim-“ stammen, was seinen Ursprung in einer germanische Sippe haben könnte. „Tine, tina“ bedeutet "schmelzen, Schlamm". Der Ortsname bedeutet danach in etwa „durch Wasser aufgelöster Boden, feuchtes, überflutetes Land“ (Ortsnamenforscher Jürgen Udolph, NDR1). Zuletzt hat die Namensberatungsstelle der Universität Leipzig die Herkunft in diesem Sinne von einem alten Bachnamen "Enbeki" abgeleitet (Dr. Gundhild Winkler).
Allerdings weist Kirchtimke im weiten Umkreis die höchste Erhebung aus und ein entsprechendes Gewässer ist heute nicht (mehr) nachzuweisen. Eine andere Erklärung brachten darum Sprachforscher Mitte des 20. Jahrhunderts ins Spiel: In der Silbe "Tym" könnte das germanische Wort "Thiu" erhalten sein, ein Wortstamm, der auf einen germanischen Schöpfer-Gott deutet. Dem "Thiu" waren die germanischen Stätten der Gerichts- und Ratsversammlungen geweiht, die "Things". Die zweite Silbe von "Timbike" oder "Tymbeke" könnte auch altnordisch auf "bakka" = "Hügel"/"Erhöhung" zurück gehen. Die Bedeutung wäre dann: "Die dem Thiu geweihte Versammlungsstätte auf dem Hügel". Dass gerade dort in späterer Zeit dann eine Kirche errichtet wurde, passt zu dieser Erklärung.
Der frühere Ortspastor Scheele fasste die Ergebnisse früherer Forschungen so zusammen: "Jedenfalls hat die Eigentümlichkeit dieses Geländes schon in alten Zeiten zur Gründung eines Ortes gefüht." Wir fügen hinzu: Später hat das zur Gründung einer Pfarre und zum Bau einer Kirche geführt, mit Reliquien dreier Märtyrer in ihrem Inneren, von denen Lambert nun der Namensgeber der "Kirche in Kirchtimke" wurde.

Kontaktadresse: Wolfgang Preibusch, Hauptstr. 15, 27412 Kirchtimke Tel. 04289-254
Fax 04289-9259022; email: info@kirchengemeinde-kirchtimke.de
Homepage : kirchengemeinde.kirchtimke.de

 

Vor 50 Jahren: St.Lambertus-Kirche

Zur Geschichte

Zur Geschichte der Gemeinde:
In einem alten Kirchenbuch von 1784 heißt es: „Von der Gründung der Pfarre sind keine Nachrichten vorhanden. Nur von Predigern, die nach der Reformation an der Kirche gestanden, findet sich in einem alten Kirchenbuche eine Series der hiesigen Pastoren von dem sel. (d.h. verstorbenen) Pastor Bövingh, so gut er es und glaubwürdig hat erfahren können.“

Neuere Nachforschungen haben so viel ergeben, dass die Pfarrstelle in der Zeit vor der Reformation von der St. Johannis-Kirche in Verden/Aller besetzt worden ist.
Wann die Reformation in unserer Gemeinde durchgeführt wurde, kann man nicht genau sagen. Kirchtimke gehörte damals zum Erzbistum Verden-Bremen. Hier fanden die reformatorischen Gedanken wahrscheinlich von Lüneburg aus Eingang und bewirkten eine allmähliche Umwandlung des Kirchenwesens. Spätestens 1555 war Kirchtimke evangelisch (solange konnte sich der Erzbischof von Verden gegen die Reformation wehren), wahrscheinlich aber 10 oder 20 Jahre früher.

Neben der Reformation gab es zwei Epochen, in denen das Gebiet unseres Sprengels herausragende Bedeutung gehabt hat. Die erste Epoche war vom 9.-13. Jahrhundert: Ansgar, der Apostel des Nordens, vereinte die Bistümer Hamburg und Bremen miteinander zu einem Missionsbistum. In diese Zeit fällt die Gründung der Kirche in Kirchtimke.
Und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste die von Ludwig Harms (Hermannsburg) ausgehende Erweckung viele Gemeinden im Sprengel Stade, besonders in den Kirchenkreisen Bremervörde, Buxtehude und Rotenburg. Auch unsere Gemeinde wurde davon erfasst. Die Gründung eines Missionsvereines in Hepstedt und des Posaunenchores (im Jahre 1873) führte zur Feier regelmäßiger Missionsfeste in den Kirchspieldörfern Hepstedt, Breddorf und Kirchtimke.
Das Posaunenblasen sollte damals die jungen Männer zu einer Gemeinschaft zusammenführen, die sich ihrer missionarischen Aufgabe bewusst waren.

Für die meisten Menschen hier gehört auch heute die Kirche zum Dorf und zum Leben dazu. Es ist nach wie vor für viele Alteingesessene schwer vorstellbar, aus der Kirche auszutreten. Auch die von der Hermannsburger Erweckung ergriffenen Menschen können sich Kirche in der Regel nur als Volkskirche vorstellen. Allerdings ist die zunehmende Säkularisierung deutlich zu spüren, insbesondere die Nähe zu Bremen. Hier entstehen neue Herausforderungen, die von dort zuziehenden Menschen anzusprechen und in das Gemeindeleben einzubinden.

Bis nach Ende des II. Weltkrieges war das Kirchspiel rein landwirtschaftlich geprägt. Hier ist ein tiefgreifender struktureller Wandel geschehen. Viele Höfe mussten aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Nur noch wenige Menschen verdienen im Dorf ihren Unterhalt. Die meisten sind Pendler und die Eingliederung von Neubürgern ist ein längerer Prozeß.

Die Jahre nach dem II.Weltkrieg haben unsere Gemeinde deutlich verändert. Die große Zahl der Flüchtlinge aus dem Osten, die hier eine neue Heimat gefunden haben, hat zu neuen Siedlungen in den Dörfern geführt und die Gemeinde fast um das Doppelte wachsen lassen. Noch immer ist die große Mehrheit evangelisch ( ca. 70 %), aber auch einzelne katholische Christen, Reformierte und andere Glaubensrichtungen finden sich.

 

Baugeschichte

Früherer Rundturm - Skizze von 1884 für eine Renovierung, die dann aber nicht ausgeführt wurde. Es erfolgte der Abriss und der Neubau des Turmes, jetzt 38m hoch.

Zur Baugeschichte der Kirche:

Wann in Kirchtimke die erste Kirche errichtet wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die erste uns bekannte urkundliche Erwähnung des Dorfes Kirchtimke stammt aus dem Jahre 1148, in der berichtet wird, dass Bischof Thietmar von Verden dem Domkapital (ständige Versammlung von geistlichen Würdenträgern) den Zehnten aus mehreren Dörfern schenkt, darunter ,,Timbike". Ob des Bischofs Eigentum an diesem Zehnten aus der Zeit Karls des Großen herrührt, muss offen bleiben. Die Gründung des Bischofssitzes Verden wird heute etwa im Jahr 800 n.Chr. vermutet, eine Urkunde mit der Nennung des Jahres 786 ist inzwischen als spätere Fälschung erkannt.

Im Jahre 1397 wird in einem Testament zu Stade unter den Zeugen ein gewisser ,,Hinrich von Doverden, Verwalter der Kirche in Tymbeke" genannt. Wir dürfen mit großer Sicherheit annehmen, dass es sich dabei um jene alte Kirche handelt, die im Jahre 1739 wegen Baufälligkeit und aus Platzmangel abgerissen wurde. Im Staatsarchiv Stade befindet sich ein Grundriß der alten Kirchtimker Kirche.

 

In einer Niederschrift über die Kirchenvisitation im Jahre 1692 heißt es wenig erfreulich: ,,Die Kirche ist mit geringen Fenstern versehen, daß es sehr finster in ist, auch man schlecht mobilieret. Die Stühle sind ganz schlecht, müssen notwendig verbessert werden, nachdem auch wenig Platz vor die Gemeinde ist."

Die ca. 3 m breite Öffnung zum Altarraum und die Mauervorsprünge, die in den Raum hineinragen, lassen den Schluss zu, dass zunächst nur das Schiff mit dem Turm errichtet wurde, während der Altarraum später hinzugefügt wurde.

Diese Merkmale, sowie die Feststellung, dass für den Kirch- und Turmbau Findlinge und Feldsteine verwendet wurden, sprechen für das hohe Alter dieser Kirche. Bei der Analyse des Grundrisses fällt der runde Turm auf. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sind in unserer Gegend verschiedene romanische Feldsteinkirchen mit runden Wehrtürmen erbaut worden, die zum Schutz und zur Verteidigung dienten. Erwähnenswert ist, dass der Kirchtimker Turm keinen Eingang von außen hatte, sondern nur vom Kircheninneren aus betreten werden konnte. Er hatte einen Durchmesser von 8,50 m (so breit wie die Kirche war), und seine Wandstärke betrug 1,30 m. Der 27 m hohe Turm war direkt mit der Kirche vermauert.
Nach Abriß der alten Kirche im Jahre 1739 blieb der Turm noch bis zum Jahre 1884 stehen, wurde dann aber wegen Baufälligkeit abgerissen und durch den jetzigen Turm ersetzt.
Das Kirchenschiff hatte einschließtich Altarraum eine Gesamtlänge von 21 m. Die Wandstärke betrug 0,80 m. Die Innenmaße des Schiffes waren 13,30 m (Länge) und 6,80 m (Breite).Das Kirchenschiff wurde von zwei Kreuzgewölben überspannt. Dies war auch in unruhigen Zeiten ein guter Brandschutz.


 

Auf beiden Seiten waren zwei kleine Fenster, in jedem Kreuzgewölbe eines. Die ca. 1,40 m breite Tür befand sich an der Nordseite und war über vier Stufen zu erreichen.

Der Altarraum war ebenfalls von einem Kreuzgewölbe überspannt. An der Nord- und an der Südseite befand sich jeweils ein Fenster. Die Innenmaße des Altarraumes waren ca. 5,50 m X 4 m. Der Altar selbst war ca. 2 m breit und 1,20 tief. über fünf Stufen erreichte man die Kanzel, die am südlichen Mauervorsprung aufgestellt war.

Grundrisse der Kirche von der 1739 erbauten neuen Kirche zeigen den alten runden Feldsteinturm, der 1884 durch einen rotfarbenen Backseinbau ersetzt wurde. Oben im Turm sind am Übergang zum Kirchendach noch die alten großen Feldsteine im Mauerwerk zu sehen. Durch eine kleine Luke erreicht man nur gebückt den Zugang oberhalb des Tonnengewölbes. Dort hat auf der rechten Seite in früheren Jahrhunderten der Blasebalg der Orgel seinen Platz.

 

Baurechnung 1739/1743

Diese neu gebaute Kirche zeigt nun einen Grundriß von etwa 25 m X 13,25 m. Der Innenraum mit Altar in der neuen Kirche ist etwa 340 qm groß, der Innenraum der alten Kirche mit Anbau etwa 160 qm (ohne Anbau 120 qm). Man hat also jetzt etwa die doppelte Grundfläche.
1984 wurde der alte Rundturm abgerissen und durch einen Neubau mit 38 m Höhe ersetzt. 1962 erfolgte ein grundlegender Umbau im inneren der Kirche, so wurde der Kanzelaltar und der größte Teil der Emporen entfernt und die Altarfenster neu gestaltet.

 

Kunst

Besonderheiten zu Kunst, Orgel und sonstigen Schätzen:
Romanischer Taufstein – um 1200
Frühgotisches Kruzifix (Eichenschnitzerei) – um 1280
Röver-Orgel von 1865 (1972 von Ahlerstedt nach Kirchtimke)
Glocken von 1638 und 1926

 

Profil der Gemeinde

Besonderes Profil der Gemeinde:
Seit 1993 wird im Kirchspiel Kirchtimke der Konfirmandenunterricht vorgezogen. Zu Beginn des 4.Schuljahres setzt die Konfirmandenarbeit mit Kindern ein. Im Wechsel werden die Kinder von einigen Eltern und vom Pastor begleitet und Kleingruppen in den Dörfern gebildet. Die Erkundung der Kirche als Gebäude steht am Anfang sowie die Erschließung von christlichen Symbolen bis hin zum Kreuz Christi. Ausgesuchte Jesusgeschichten ("Mit Jesus auf dem Weg") aus der Kinderbibel und die Erinnerung bzw. Vorbereitung der Taufe schließen sich an. Eine Spurensuche christlichen Lebens in unseren Dörfern und das Kennenlernen der Gemeinde und eine Hinführung zum Abendmahl komplettieren diesen vorgezogenen Abschnitt der Konfirmandenarbeit zu Beginn des 5. Schuljahres. Eine Konfirmandenfreizeit und das Weihnachtsspiel im 7.Schuljahr setzen die Konfirmandenzeit fort, die im 8. Schuljahr mit der Konfirmation abschließt.

Der Gottesdienstbesuch schwankt an normalen Sonntagen zwischen 25 und 75 Gottesdienstteilnehmern, dazu kommen vierzehntägig bis zu 45 Kinder im Kindergottesdienst, die sich in den Dörfern 14-tägig treffen. Durchschnittlich kommen aufs ganze Jahr gesehen gut 90 erwachsene Besucher pro Gottesdienst, dazu haben wir zahlreiche Hörer über unseren Mediendienst mit USB-Sticks.
Die Zahl der Konfirmanden beträgt zumeist um die 30, die Zahl der Taufen ist in den letzten Jahren leicht rückläufig (ca. 25) . Trauungen werden etwa 5 - 10 pro Jahr in der Kirche gefeiert. Ehejubiläen sind nicht selten mit einer Andacht auf dem Saal oder in der Kirche verbunden.

 

Kirchliches Leben

Begrüßung der neuen Konfirmanden im 4.Schuljahr

Kinder- und Gemeindefest in Kirchtimke am Sonntag, 13.September 2015

Kirchliches Leben:

Ein besonderer Schwerpunkt ist die frühe Begleitung von Kindern und jungen Familien. Viele junge Mütter gehören mit ihren kleinen Kindern dem Mini-Club an und treffen sich in Elter-Kind-Gruppen im Gemeindehaus, das dazu besonders ausgebaut wurde. Seit über 50 Jahren gibt es einen dezentralen Kindergottesdienst in den Dörfern des Kirchspiels, der von einem Mitarbeiterkreis durchgeführt wird. Eine besondere Förderung der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit hat in unserer Gemeinde lange Tradition.

Die Einrichtung eines Besuchsdienstes, Aktionstage in den Dörfern u.ä. unterstreichen die Absicht der Gemeindeleitung, auf die Menschen zuzugehen. Monatliche Gemeindenachmittage richten sich besonders an ältere Menschen, die mit einem Bus aus den Dörfern abgeholt werden.

Die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste geschieht nicht nur zu den besonderen Festgottesdiensten in guter Weise durch Posaunenchor und Kirchenchor.

Das Anliegen eines lebendigen Glaubens und einer spürbaren Glaubensgemeinschaft spiegelt sich in der Einrichtung eines Hauskreises wieder, verschiedentlich durchgeführter Glaubenskurse und regionale „Gottesdienste mal anders“. Hier gibt es eine ganze Zahl engagierter Gemeindeglieder.

 

Erntedankfest mit Erntekrone

Erntedankfest in der St. Lambertus-Kirche Kirchtimke

Vor 25 Jahren und mehr...

Sup. G. auf dem Brinke und Pastor Preibusch

„Traditionelle Pastorenkirche heute nicht mehr zeitgemäß"
Superintendent bei Visitationsgottesdienst in Kirchtimke

Zevener Zeitung
Donnerstag, 2. April 1992
Kirchtimke (ro). Zum alle sechs Jahre stattfindenden Visitationsgottesdienst in Kirchtimke hatten sich zahlreiche Persönlichkeiten der Samtgemeinde und der Gemeinde eingefunden. Superintendent Gerhard auf dem Brinke aus Osterholz-Scharm-beck, der während des Gottesdienstes eine Ansprache vor der Kirchengemeinde hielt, wies auf einen notwendigen Wandel innerhalb der Kirche hin. Die traditionelle Pastorenkirche sei heute nicht mehr zeitgemäß.
In Kirchtimke wurde bereits vor einiger Zeit ein gewisser Wandel eingeläutet, der eine Gemeindekirche als Zielsetzung anführe. Nicht nur die Mitarbeiter der Kirche, allen voran der Pastor, gefolgt von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes, würden heute die Geschicke der Kirchengemeinde lenken, sondern die ganze Kirchengemeinde selbst.
Aufgeteilt in einen variablen Aufgabenbereich könne die Gemeinde so den künftigen Werdegang der Kirche mitbestimmen und prägen. Die Verantwortung für einzelne Aufgabenbereiche, in früheren Zeiten ausschließlich vom Pastor und allenfalls noch vom Kirchenvorstand getragen, würde so die ganze Gemeinde einbeziehen und ein völlig neues, aber dringend notwendiges und zeitgemäßes kirchliches Gefüge ergeben.
Diese Neuordnung, so meinte der Superintendent, solle möglichst alle Bürger einbeziehen, vor allen Dingen Jugendliche, die gerade heute in einer Zeit der allgemeinen Abkehr von Gemeinsamkeiten leben, in eine christliche Gemeinschaft einbinden.
Es sei Pastor Preibusch beispielhaft gelungen, die Anfänge dieser Neuordnung in der Kirchtimker Kirchengemeinde von seinem Vorgänger Pastor Stuckenschmidt fortzuführen und der Kirche in Kirchtimke neue attraktive Impulse zu vermitteln.
Dem Gottesdienst war ein Empfang im Gemeindehaus angeschlossen, bei dem sich Vertreter der Gemeinde, Samtgemeinde, Vereine und aller am Ort ansässigen Institutionen nicht nehmen ließen, zum Visitationsgottesdienst Grußworte zu überbringen. Samtgemeindebürgermeister Jürgen Rudolph wies auf die Unverzichtbarkeit der Zusammenarbeit von Kirche und Samtgemeinde hin und freute sich, zu diesem vielbeachteten Gottesdienst auch die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden unter den Gästen zu sehen.
Oberstleutnant Hans-Joachim Schubert, Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 31 aus Westertimke, betonte in seiner Ansprache die Notwendigkeit, Verständnis und Toleranz in einem christlichen Zusammenleben verschiedener Institutionen in der Gemeinde zu praktizieren. Hans-Joachim Schubert wies auf die Unverzichtbarkeit der Bundeswehr in einem Europa hin, das in den letzten Jahren alles andere als friedlich sei.
Die ortsansässige Bundeswehreinheit im Gemeindeleben zu integrieren, sei bisher immer oberstes Anliegen der Verantwortlichen gewesen und würde es auch in Zukunft sein. Superintendent Gerhard auf dem Brinke schloß den offiziellen Teil des Visitationstages mit Dankesworten für die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer der Kirchengemeinde und zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis des Tages.
Musikalisch umrahmt wurde der Visitationsgottesdienst vom Posaunenchor und den Mitarbeitern der evangelischen Jugend, die wie schon oft bei ähnlichen Anlässen aus ihren eigenen Reihen einen Chor gebildet hatten.

 

Festwoche 250jähriges Kirchjubiläum 1989

Abschlußgottsdienst der Festwoche zum 250jährigen Kirchjubiläum - Archivbild

Dorffest zeigte lebendige Kirche

Kirchtimker feierten mit Spiel, Spaß und Spannung den 250. Geburtstag
Wümme-Zeitung 11.9.1989
Kirchtimke (sei). Das war ein gelungener Abschluß der Kirchtimker Jubiläumswoche! Bei Kaiserwetter feierte das Kirchspiel am Sonnabend auf dem Sportplatz des Dorfes, was das Zeug hielt. Spiel ohne Grenzen, Vorführung der freiwilligen Feuerwehr, Gesangseinlagen, Kaffee und Kuchen und noch viel, viel mehr: Die unzähligen Helfer hatten kräftig zugepackt, damit es ein Fest der Gemeinschaft wird — von den Gemeindemitgliedern für die Gemeindemitglieder. Ihre Hoffnung, daß viele Leute kommen würden, um Spiel, Spaß und Spannung rund um den 250. Geburtstag der Dorfkirche zu erleben, erfüllte sich. Und wenn die verschiedensten Akteure auch unterschiedliche Aufgabengebiete übernommen hatten — Festkoordinator Heiner Fitschen vom TSV Timke brachte es bei der Begrüßung auf den Punkt: „Eines verbindet uns mit Sicherheit, nämlich die Erhaltung und Förderung der Gemeinschaft."
Kurz nach 14 Uhr ging's los: Zwölf Mannschaften mit insgesamt 120 Aktiven aus Kirchtimke, Breddorf, Steinfeld, Westertimke, Hepstedt und Ostertimke gingen an den Start, um Geschicklichkeit und Einfallsreichtum im „Spiel ohne Grenzen" zu messen. Armin Springwald hatte zusammen mit Mitgliedern des TSV Timke ausgetüftelt, was die Mannschaften (und nicht nur die) auf dem Rasen ganz schon ins Schwitzen brachte. Da gab's beispielsweise ein Fahrradwettfahren — nur, daß sich das Tretmobil schon auf den ersten Metern als wahres Sensibelchen erwies, das richtig angefaßt werden wollte. Selbst Pastor Wolfgang Preibusch hatte da so seine Schwierigkeiten. Anstatt einfach geradeaus zu fahren, nahm er fast einige der Gemeindemitglieder auf die Gabel. Im nachhinein wies er derlei Vorhaben weit von sich. Er habe doch nur „angetäuscht".
Wassertragen, Luftballonrasieren, Teebeutelzielwurf, der Löffel am Band, Rasenski, Luftballontanz und Eierweitwurf forderten bis nach 16 Uhr Geschicklichkeit und Muskelapparat der Mannschaftsmitglieder. Annegret Lünzmann und Christa Gerasch hatten gemeinsam mit ihren Helferinnen Spiele für Kinder vorbereitet, damit's denen nicht zu langweilig wird. Und mit Ballhüpfen, Armbrustschießen, dem Bau einer Kirche und Tischtennisball-Kunststücken verstanden sie es, den Gemeindenachwuchs voll und ganz in ihren Bann zu ziehen. Zwischendurch gab's Kuchen, Kaffee und andere flüssige Erfrischungen und natürlich auch etwas Warmes zu essen. Stadionsprecher Hans Gerken mußte jedenfalls nicht lange bitten — die Stände waren immer gut umlagert.
Nach dem Spiel ohne Grenzen pfiff Wolfgang Möller aus Tarmstedt den Prominenten-fußball an: Kirchengemeinde gegen politische Gemeinde — wie Gerken betonte, „in bester Besetzung". Frei nach dem Motto „dabei sein ist alles" war aber von vornherein gar nicht wichtig, wer die Punkte mit nach Hause nehmen würde. Im Anschluß zeigten die freiwillige Feuerwehren aus Kirchtimke und Hepstedt mit ihren Ortsbrandmeistern Manfred Gerasch und Johann Bammann bei einer Angriffsübung, was sie gelernt haben. 20 Leute, das Tanklöschfahrzeug aus Hepstedt und
schwerer Atemschutz wurden eingesetzt, um die Einsatzbereitschaft der Wehrleute zu beweisen. Ein Applaus war ihnen sicher.
In der Schlußandacht betonte Pastor Preibusch, wenn jeder mit seinen unterschiedlichen Gaben mitarbeite, sei Kirche als lebendiger Bau zu erleben. Seine Vision, die auf dem Rasen des Stadions Gestalt annahm, verband er mit einem Dank an alle Beteiligten, die in den vergangenen Tagen und Wochen zusammengewirkt und die Festwoche erst möglich gemacht hatten. Mit einem Laternenumzug Richtung Gemeindehaus, angeführt vom Spielmannszug der freiwilligen Feuerwehr und von den Blauröcken mit Fackeln abgesichert, endete das Festprogramm am Sonnabend. Gestern wurde die Woche mit einem Gottesdienst beschlossen, in dem Superintendent Gerhard auf dem Brinke die Predigt hielt.

1992: Neue Wege im Konfirmandenunterricht

Nach eingehender Diskussion auf der Gemeindeversammlung bildet sich um P.Preibusch ein Ausschuß zur Konfirmandenarbeit

Kirchengemeinde Kirchtimke berät über neue Wege im Konfirmandenunterricht

Gemeindeversammlung soll am 11. Mai über künftige Gestaltung entscheiden

Kirchtimke (ZZ 6.Mai 1992). Während in vielen Kirchengemeinden die Konfirmation begangen wird, findet in Kirchtimke am 11. Mai um 20 Uhr eine Gemeindeversammlung statt. Es geht um die wichtige Frage, ob neue Wege im Konfirmandenunterricht gegangen werden sollen. In das Gemeindehaus eingeladen sind alle wahlberechtigten Gemeindeglieder, insbesondere aber die Eltern der drei nächsten Konfirmandenjahrgänge. Der Kirchen vorstand berät nämlich zur Zeit die zukünftige Gestaltung der Konfirmandenarbeit und möchte Gemeinde und Elternschaft informieren und befragen.
Anläßlich einer Visitation hatte der Landessuperintendent die Gemeinde aufgefordert zu prüfen, ob das sogenannte „Hoyaer Modell" für die Dörfer des Kirchspiels geeignet ist. Bei diesem Modell, das bereits in einer beachtlichen Zahl von Gemeinden erprobt worden ist, wird der Anfang der Konfirmandenzeit um zwei Jahre vorgezogen.
Beginn ist dann nicht mit dem 7. Schuljahr, sondern bereits im 4. Schuljahr, wenn die Mädchen und Jungen etwa das Alter von zehn Jahren erreicht haben. Nach einem Jahr Unterricht findet eine zweijährige Zwischenphase statt, in der besondere Projekte angeboten werden, aber kein durchgehender Unterricht stattfindet. Die Konfirmation erfolgt dann wie gewohnt nach einem Jahr Hauptkonfirmandenzeit im Alter von etwa 14 Jahren.
Wesentlicher Fortschritt beim „Hoyaer Modell" ist im ersten Jahr ein stärkerer Kontakt zu den Eltern und der Unterricht in Kleingruppen unter Beteiligung interessierter Eltern. Diese können an der Gestaltung der Konfirmandenzeit mitwirken. Nähere Einzelheiten und Erfahrungen aus anderen Gemeinden mit diesem Modell sollen den Eltern ein erstes Bild vermitteln. Pastor Meyer-Blanck vom Religionspädagogischen Institut in Loccum wird im ersten Teil der Gemeindeversammlung über „Neue Wege im Konfirmandenunterricht" referieren.
Seit Jahren begleitet er Gemeinden in ihrem Konfirmandenunterricht und wertet die Erfahrungen für unsere Landeskirche aus. Im zweiten Teil des Abends sollen dann die Gemeindeglieder und Eltern zu Wort kommen. Der Kirchenvorstand möchte unter Beteiligung der Gemeinde "Für und Wider" einer Vorverlegung der Konfirmandenzeit in Kirchtimke abwägen. Deshalb wird im Anschluß an Information und Gespräch eine Abstimmung durchgeführt, welche Meinung die Gemeindeversammlung mehrheitlich vertritt.
Aus diesem Grund sei es wichtig, daß insbesondere Eltern zukünftiger Konfirmanden und Konfirmandinnen an der Gemeindeversammlung teilnehmen. Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes eröffnet die Versammlung, und ein Versammlungsleiter wird gewählt. Jedes Gemeindeglied kann sich informieren und zu Wort melden. Der Kirchenvorstand hofft auf eine rege Teilnahme und lädt für Montag, 11. Mai, 20 Uhr, in das Gemeindehaus in Kirchtimke ein.

"Mit dem Pastor hat jeder irgendwann zu tun"

Diese Überschrift aus dem Jahr 1989 ist inzwischen etwas zu kurz gefasst. Seit langem sind wir auf einem Weg von einer Pastorenkirche zu einer Gemeindekirche unter Beteiligung vieler. Mit der Kirche und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe viele in unseren Dörfern zu tun - natürlich auch noch mit dem Pastor. Aber dieser ist mehr als früher (nur) einer unter anderen im Gesamtgeflecht aller Mitarbeitenden. Ob es um Besuche geht, die Gestaltung von Gottsdiensten, die Leitung von Gruppen und Kreisen, Gemeindebriefredaktion, Leitung und auch Verwaltung - viele sind beteiligt und tragen die Fülle der kirchlichen Aufgaben gemeinsam. Begleitung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein neuer Schwerpunkt pastoraler Arbeit geworden, der die Eigenverantwortung und kreativen Kräfte in der Gemeinde stärkt. Der Apostel Paulus spricht von den vielen Gaben, die alle in dem einen Geist unseres Gottes in der Gemeinde zur Geltung kommen. Also: In einer lebendigen Kirchengemeinde sind viele für einander da! Dennoch sei als Rückblich dieser "alte" Zeitungsbericht hier wieder gegeben. Inzwischen ist einiges geschehen!

epd zeichnet das Porträt einer Kirchengemeinde: z. B. Kirchtimke - Zevener Zeitung 19.4.1989
Mit dem Pastor hat jeder irgendwann zu tun
KIRCHTIMKE (epd). Natürlich weiß jeder sofort, wo die Kirche im Dorf steht, egal, ob er aus Zcven über Ostertimke oder aus Tarmstedt über Westertimke kommt, immer gelangt er nach Kirchtimke im Landkreis Rotenburg. Die Landstraße von Zeven nach Tarmstedt macht vor der Kirche in Kirchtimke eine scharfe Kurve. Da nimmt jeder Autofahrer schnell den Fuß vom Gaspedal. In Kirchtimke kommt niemand so schnell an der Kirche vorbei. Kommt wirklich niemand so schnell daran vorbei? Pastor Wolfgang Preibusch zögert erst ein wenig mit der Antwort. „Nein", sagt er dann, „denn irgendwann hat jeder mit dem Pastor zu tun."
Kirchtimke selbst hat 650 Einwohner, zur Gemeinde gehören noch fünf weitere Dörfer, so kommt Preibusch auf insgesamt 3200 Seelen, 3000 davon sind evangelisch. 110 von ihnen sitzen regelmäßig im Sonntagsgottesdienst, 30 bis 50 Taufen gibt es im Jahr, und im Durchschnitt gibt es jährlich zwei bis drei Kirchenaustritte, Einheimische sind dabei die Ausnahme, meistens sind es junge Leute, die aus dem nicht allzu fernen Bremen zugezogen sind. Für die aber, die seit langem hier wohnen, gehört die Kirche zum Dorf. Man heiratet kirchlich, läßt sein Kind taufen, läßt es konfirmieren. Bei Altengeburtstagen muß der Pastor kommen, bei goldenen Hochzeiten muß er reden, Silbernochzeiten werden mit einer Andacht in der Kirche verbunden, erwartet werden natürlich auch Krankenbesuche. Von der Wiege bis zu Bahre - alles ist gleich anders, wenn der Pastor dabei ist. „Der gehört dazu", sagt Preibusch, und der muß es wissen.
Um 1950, so sagt der Pastor, seien entscheidende Jahre für das Kirchspiel gewesen. Damals kamen die Flüchtlinge, fast so viele wie Einwohner. 1785 Neubürger auf 1900 Einheimische. Die meisten blieben in den Dörfern, die damals recht abgeschlossen waren und auch heute noch schlecht angebunden sind. Die Schule ist inzwischen in Tarmstedt, im Dorf blieben der Bürgermeister und der Pastor. Drei Jahre ist er jetzt hier, und dankbar ist Preibusch, daß er so gut in die Gemeinde hineingekommen ist. Und so jung er Mitte 30 auch noch sein mag: der Respekt vorm Amt ist bei den Älteren zumindest noch vorhanden. Die Jüngeren mögen es lockerer sehen - Autorität genießt der Pastor allemal.

Kirche bedeutet noch viel im Dorf, das von Hermannsburger - sprich frommer — Tradition geprägt ist. Es existiert auch ein Missionsverein in Hepstedt, das zum Kirchspiel gehört, dort gibt es auch einmal jährlich ein Missionsfest. Tradition spielt überhaupt eine große Rolle hier auf dem Lande, nicht nur in der Kirche, aber natürlich auch dort. So gibt es Querelen zwischen zwei Dörfern, die Auswirkungen spürt auch der Pastor. Veränderungen brauchen lange auf dem Lande, es hat viele gegeben seit dem Kriege, aber manche Menschen, meint Preibusch, würden nie ganz damit fertig.
Kirchtimke ist natürlich nur ein Beispiel für die Kirche im Dorf, die bei den Festen im Jahreslauf gebraucht wird und bei den Familienereignissen. Mit der Gruppenarbeit, in Städten wesentlicher Teil des Gemeindelebens, tut man sich schwerer. Da trifft man sich eher im Schützenverein oder bei der freiwilligen Feuerwehr, beim Sport oder in der Landjugend. So gibt es eine ökologische oder eine „Dritte-Welt"-Arbeit nur in Ansätzen. Der Pastor muß schon einladen, dann treffen sich auch die Kindergottesdienst-Mitarbeiter aus den vergangenen 50 Jahren. Ein Bibelseminar läuft mit rund 15 Teilnehmern seit anderthalb Jahren in Kirchtimke, zwei Altenkreise treffen sich regelmäßig einmal im Monat. Sehr viel mehr gibt es nicht. Natürlich: ein Posaunenchor spielt auch. Viel mehr könnte das kleine Team der Profis auch kaum schaffen, wo man sich den Diakon noch mit den Dörfern der Nachbargemeinde teilen muß.
Die Kirche im Dorf, sie ist viel mehr auf den Pastor zugeschnitten als in der Stadt, der kannte früher jeden und heute auch noch die meisten. So ist auch Preibusch schon in etlichen Häusern seiner Dörfer gewesen. Respektsperson ist der Pastor auch heute noch, aber „den Daumen drauf" so wie früher - das hat er heute nicht mehr. Irgendwann wird er auch zum „normalen Menschen mit besonderem Auftrag" werden. Aber - wie gesagt - Veränderungen brauchen lange auf dem Lande. Und schlecht ist dieses Festhalten am Überkommenen nun auch wieder nicht. Ganz abgesehen vom Pastor.

 

ALTE URKUNDEN UND KLEINE CHRONIK BIS 1945

Innenansicht der Kirche mit altem Gestühl und Emporen bis 1962

Unser Kirchspiel Kirchtimke umfasst die Orte Breddorf, Hepstedt, Westertimke, Kirchtimke, Ostertimke, ein paar Häuser von Hemel und Steinfeld.
Kirchtimke hieß in alter Zeit nur "Tymbeke". Seit etwa 1750 schreibt man "Kirch" timke. Allerdings noch vor 80/90 Jahren schrieb man es so: Kirchtimbke.

Auf alten Urkunden lautet der Name auch "Timbike" und sollte wahrscheinlich "zum Bache" bedeuten, also: "To'm Beeke". Im niedersächsischen Platt ist aber das Wort "Beeke" weiblichen Geschlechts. Darum meinen manche, in der Silbe "tym" sei das germanische Wort "Thiu" enthalten, ein Wortstamm, der auf einen germanischen Gott deutet. Dem "Thiu" waren die germanischen Männerversammlungen (Gerichts- und Rats-Versammlungen) geweiht, die "Thing's". Und "Beeke" bedeutete dann "Bake"="Hügel". Also etwa: "Die den Göttern geweihte Versammlungsstätte auf dem Hügel." Pastor Scheele fasste in seiner Dienstzeit das Ergebnis so zusammen: „Jedenfalls hat die Eigentümlichkeit dieses Geländes schon in alten Zeiten zur Gründung eines Ortes geführt.“

Urkunden im Staatsarchiv Hannover:

1148

Zum ersten Male taucht der Name in einer alten Urkunde auf, in der berichtet wird, daß Bischof THIETMAR VON VERDEN dem Domkapitel (ständige Versammlung von geistlichen Würdenträgern) den Zehnten aus mehreren Dörfern schenkt, darunter auch aus "TIMBIKE".
1397
Im Hause des Hinrich Hunrekamp zu Stade macht Domprobst Johann Monik aus Bremen ein Testament. Er vermacht dem Kloster Zeven alles, was er zum Nutzen des Klosters erworben hat. Unter den Zeugen wird genannt:"HINRICH VON DOVERDEN, VERWALTER DER KIRCHE IN TYMBEKE."
1458
Ein LIPPOLD VON DER HELLE verkauft an das Kloster Zeven den freien Hof in "BREPTORPE" im Kirchspiel "Tymbeke".
1503
Das Schloß Ottersberg besaß ein Gut in "HEPSTEDE" im Gebiet der Grafschaft Ottersberg im Kirchspiel "Tymbeke". Domprobst Franz Gramke (in Verden?) kaufte das genannte Gut von der Grafschaft Ottersberg, indem er dem Drosten von Ottersberg, Hermann von Mandelsion, 300 Rheinische Gulden gab. Er verkaufte es zum gleichen Preis weiter an Martin von Heinborg. Das genannte Gut in Hepstede wurde damals bebaut von:
Johann Otken, Hermann und Heinrich Kaders, Titke Schröder, Hermann Schröder, Gerke, Titke und Klawes(Klaus) Brenniges und Gertke Titke. Die Urkunde wurde unterzeichnet von Erzbischof JOHANN (wahrscheinlich in Bremen) und HERMANN VON MANDESLOH.
1516
Ein Hof in "BRETTORPE" im Kirchspiel wird als freier Hof anerkannt.
1638
Anbringung der Glocke im Turm.
1730
3.So.n.Trinitatis: Dreitägiges Jubelfest anlässlich der Übergabe der 'Augsburger Confessiion 1530".
1733 das alte Pfarrhaus abgebrannt
1734 Bau des Pfarrhauses (1970 abgerissen); der Giebelbalken findet sich heute am Gemeindehaus
1739 Abbruch der alten und Bau der neuen Kirche.
1777 Bau der Sakristei und Reparaturen in der Kirche
1834 Bau der ersten Orgel in der Kirche (Tappe).
1876 Anlegung des Anbaufriedhofes in Breddorf.
1877 Anlegung des neuen Friedhofes in Kirchtimke.
1877 1.Oktober: Umpfarrung der Dorfschaft Steinfeld von Sottrum nach Kirchtimke.
1884 Bau des neuen Turmes, Abriß des Rundturmes.
1897 Bau des neuen Organistenhauses (jetziges Gemeindehaus).
1911
1.Juli: Umpfarrung eines Teiles des Breddorfer Moores von Kirchtimke nach Hüttenbusch.
27. August: Posaunenfest in Kirchtimke.(1912 in Hepstedt und 1913 in Breddorf: drei Chöre!)
1920 elektrische Lichtanlage im Pfarrhaus und Organistenhaus.
1926 Beschaffung der zweiten Glocke(0tto,Hemelingen)
1930 Aufstellung der zweiten Orgel(Faber und Diener in Salzhemmendorf).
1933 11.November: Lutherfest (450. Geburtstag).
1945
27.April: Kirchtimke wird von den Engländern eingenommen und gerät unter deutschen Beschuss. 16 Gebäude gehen in Flammen auf, der Kirchturm wird von Granaten getroffen.

 

Gute alte Zeit?

Postkarte: Partie bei der Kirche" um 1900

Um 1900 waren die Sonntage tatsächlich Erholungstage für die Gemeinde und in unseren landwirtschaftlich geprägten Dörfern wurde nur in äußerstem Notfall am Sonntag gearbeitet. Im Visitationsbericht beklagt der Ortspastor allerdings, daß viele Glieder der Gemeinde ihre Erholung auf den Tanzböden suchen, in den Wirtshäusern, beim Karten- und Würfelspiel. Vereinsfestlichkeiten waren nicht selten, aber ein übergreifen dieser Feste auf den Morgen war nicht zu merken.
Die Nachmittage am Sonntag wurden oft zu Grasverkäufen, Versammlungen etc. benutzt, "weil angeblich in der Woche keine Zeit zu solchen Sachen zu finden sei". Sehr befremdend bemerkte es Pastor Cuntz, "daß es allgemein üblich ist, gegen Abend die im Laufe der Woche verkauften Schweine abzufahren, doch wird darin nichts geändert werden, so lange in Bremen dieselben am Montag Morgen abgenommen werden." Zwei Jahre später schreibt der Pastor: "Die Grasverkäufe haben auf die Bitte des Kirchenvorstandes in der Gemeinde ganz aufgehört." Allerdings schränkt er 1906 ein:..."ob auf die Dauer die jetzige Sonntagsruhe uns wird erhalten bleiben, ist sehr fraglich."
Es hat also schon damals der Bitte und des Drängens der Kirche bedurft, daß der Sonntag als Tag der Ruhe und der Muße erhalten blieb.

 

Strickende Männer und stickende Frauen

Strickerinnen aus Ostertimke 1913/1914

Ein ähnliches Problem wie heute für den Pastor, bedeuteten die Besuche. Wann soll man die Besuche machen? Im Jahre 1906 schreibt P.Cuntz: "Sehr erschwerend ist es, dass man tagsüber wenige im Hause antrifft oder dass alle an der Arbeit sind; abends zwingen die schlechten Wege, namentlich im Winter, oft zur zeitigen Rückkehr, obgleich z.B. das abendliche Zusammensitzen der strickenden Männer und spinnenden Frauen leicht zu langem Bleiben verlockt. Hier ist der eigentliche Platz, dem Pastoren zu Ohren gekommene Familienverhältnisse zu besprechen und zu raten."

Tatsächlich wird dadurch deutlich, wie tagsüber jeder seine Arbeit zumeist allein für sich zu verrichten hatte. Die Dunkelheit beschloß den Arbeitstag und gab noch Zeit, Wolle zu spinnen und Strümfe zu stricken und dabei die Dinge des Tages zu besprechen. Heute kann es schon geschehen, daß der Pastor bei seinen Besuchen neben den laufenden Fernsehapparat zu sitzen kommt, wenn er am Abend die Besuche macht. Aber noch immer gilt, was der Ortspastor 1906 feststellte: "Hat die Gemeinde die Besuche des Pastoren sehr gern, oder scheint sie wenigstens sich darüber zu freuen, wenn er kommt, so kommen zu ihm mit ihren Anliegen nur sehr wenige."

 

Ländliche Hochzeitsbräuche

Kirchtimker Tracht

Wie war es früher? Zuerst wurde das Brautpaar an drei Sonntagen verkündet. Beim dritten Male war das Brautpaar anwesend. Nach dem dritten Aufgebot erfolgte die Trauung. In unserer Gegend waren bis vor wenigen Jahren Haustrauungen allgemeine Sitte. Kirchtrauungen galten sogar fast wie Trauungen zweiter Klasse. War die Braut aus einem anderen Dorfe, wurde sie in einem geschmückten Wagen mit geschmückten Pferden zum Dorfe und Hochzeitshause feierlich eingeholt. Beim Eintritt in die Diele wurde ihr Brot, Salz und ein Schluck Wein gereicht. Waren beide Brautleute aus demselben Dorfe, so zog das Brautpaar und die Gästeschar vom Hause der Braut zum Hause des Bräutigams. Dabei schrien die einigen hundert 'Menschen öfters alle zusammen "Juh!" - Das war ein seltsamer Anblick: dieses schweigende Heranschreiten der Menschenmasse und immer wieder der plötzliche Aufschrei. Das war ein tausendjähriger Brauch. Die alten Ahnen wollten durch lautes Schreien böse Geister vertreiben. Wie wäre das schön, wenn man auch heute noch durch solches Geschrei manche bösen Hausgeister vertreiben könnte. Aber manchmal kommen sie durch Geschrei erst recht herbei. Besser ist es, wir verlassen uns auf unseren Herrn Christ. Der vertreibt die bösen Geister am kräftigsten aus Herzen und Häusern. Früher gab es in unserer Gegend als Geisterlärm auch das Hochzeitsschiessen. Wenigstens kann man das dem Kirchenbuche in St. Jürgen entnehmen, wo berichtet wird, daß beim Hochzeitsschießen ein Gast durch eine zersprungene Pistole verletzt wurde. Da hatte einer tatsächlich seine Pistole "bet boben vull geloden". Hochzeiten fanden stets an einem Freitag statt. Auch setzte man am liebsten die Hochzeiten im Sommer an, wenn das Vieh noch draußen war. Dann wurde nicht nur die Diele aufgeräumt, sondern es wurden auch die Seiten-Ställe blitzsauber gewaschen und alles mit grünen Zweigen geschmückt. An der Herdstelle, dem "Flett", stand als Hausaltar ein Tisch mit Lichtern. Dort vollzog der Pastor die Trauung des Paares. In jener alten Zeit wurde das Erscheinen des Pastors und der Frau Pastorin mit Spannung erwartet; denn die im Pfarrhaus aufbewahrte, mit Gold geschmückte Brautkrone wurde von der Pastorin mitgebracht und der Braut feierlich als Ehrenkrone aufgesetzt. Da schimmerte manches Mutter- und Vaterauge feucht, wenn Eltern ihr junges Kind so geehrt sahen. Wie schon gesagt, wurden in den letzten Jahren die Kirchtrauungen Sitte. Brautpaar und Gästeschar fahren in Autos zur Kirche. Dabei müssen sich die vielen Fahrer davor hüten, in zu kurzem Abstand zu fahren. Noch besteht die Sitte, dass Kinder das vorn fahrende Brautpaar mit einer über die Strasse gespannten Leine aufhalten, weil sie Bonbons erwarten. Es ist schon vorgekommen, dass bei dem plötzlichen Halten die hinten Fahrenden heftig aufeinander fuhren und den Hochzeitsbraten versäumten. Schön ist es, wenn noch einmal wie in alten Zeiten ein mit Pferden bespannter Brautwagen durch das Dorf fährt. Da bekommen wir doch eine Vorstellung davon, wie es früher zuging. Freilich können wir die alten, ruhigen, beschaulichen Zeiten nicht zurück holen. Doch die Sache bleibt dieselbe wie einst: Frohe Gäste scharen sich um zwei Menschen, die den Lebensbund schliessen. Und nun das Hochzeitsessen. Bis zum Kriege gab es auf der Geest noch die "Kaffeehochzeiten". Das Hochzeitshaus spendete das Essen auf der Diele. Darüber hinaus hielten aber viele Häuser des Dorfes Kaffee und Kuchen bereit. Die an sich schon satten Gäste mussten von Haus zu Haus ziehen und ehrenhalber in jedem Hause Kuchen essen, soweit sie das noch konnten. Als im Kriege diese Sitte verschwand, waren eigentlich alle froh. Das Hochzeitsessen auf der Diele war für Junge und Alte eine Freude. Begehrt war damals der riesige warme Mehlpudding mit Rosinen, der allein schon den Magen füllte, und dann die Suppe, und dann der Braten mit Kartoffeln und Sosse, und dann Gemüse und Backobst! "Djunge, ett sinnig, denn kannste mehr loten!" "Junge,iss langsam, dann kannst du mehr wegstauen!" rief wohl ein Vater seinem kleinen Sohn zu. Und so tat man auch. In behaglicher Ruhe ass man die leckeren Sachen, die es nicht alle Tage gab. Das Hochzeitshaus hatte keine teure Bedienung nötig. Frische, muntere Haustöchter schleppten alles flink herbei und wieder fort. Der Hochzeitsbitter mit buntem Bänderhut überwachte den reibungslosen Ablauf. Sie alle waren die "Aufpasser". Nach Aufhebung der Tafel assen dann die "Aufpasser" und die Gäste ergingen sich. Die Frauen besahen sich die Ausstattung der Braut. Die Männer gingen durch Hof und Dorf. Und das junge Volk begann bald den Tanz. Der Jubel klang in die Nacht hinaus. Im Großen und Ganzen nehmen ländliche Hochzeiten noch heute ungefähr diesen geschilderten Verlauf. Wenn sonst in den Dörfern vieles "verstädtert" ist, in den Hochzeiten ist das Land noch lebendig. Solche Feste kann man in der Stadt nicht nachmachen. Darum wäre es für ein gesundes Volksleben zu wünschen, dass diese alten Hochzeitsbräuche weiter erhalten blieben.

Notizen von Gerhard Scheele (1964)

 

Historisches

Früherer Rundturm - Skizze von 1884 für eine Renovierung, die dann aber nicht ausgeführt wurde. Es erfolgte der Abriss und der Neubau des Turmes, jetzt 38m hoch.

Historische Dinge im Gemeindehaus Kirchtimke:

Osiander- Bibel von 1650
Taufschale von 1685
Tauf-Fuß (getöpfert aus Kirchtimke) von 1749
Opferstock (vor 1739)
Taufsteindeckel von 1739
Steffensche Stuhl von 1739
Leuchter, Silber, vor 1739?
Alte Klingelbeutel mit Glocke (von 1739?)
Katechismus von 1790
Altes Krankenabendmahlsgeschirr
Alte Tafel für Lieder
Altes Wachssiegel
Verschiedene Predigts- und Gebetsbücher
dazu alte Bilder, Schriften u.a.m.