"Ich bin das Licht der Welt." Joh 8,12
Im Jahr 1962 wurde der Innenraum unserer Kirche völlig neu gestaltet. Die Emporen von 1739 waren morsch geworden und auch das weitere Gestühl der Kirche musste erneuert werden. Die Älteren in der Gemeinde kennen noch die alten Bänke mit den Namensschildern. Die Bänke wurden auf einer neuen Dielung aufgestellt. Die übrige Bodenfläche der Kirche wurde mit roten, holländischen Fliesen ausgelegt.
Auch der Altarraum wurde mit einem neuen Stein-Altar versehen. Er wurde durch zwei Stufen hervorgehoben und erhielt sechs Leuchter aus Eisen, die der Metallbildner Christensen aus Bremen zusammen mit zwei großen Standleuchtern fertigte.
Der damalige Ortspastor G. Scheele betonte, dass es um die besondere Heraushebung des Altares aus theologischen Gründen ginge, als sichtbarer Ort der Gemeinschaft mit Christus beim Abendmahl. Das alte, aus Eichenholz geschnitzte Kruzifix über dem Altar ist so angebracht, dass es den Blick jeden Gottesdienstbesuchers schon beim Betreten der Kirche auf sich zieht. Der gekreuzigte und auferstandene Herr "beherrscht" den Raum der Kirche. Seine Gegenwart und sein Geist werden "anschaulich" als "Licht der Welt". umgeben von den Leuchtern.
Ort der Dankbarkeit und des Lebens
"Der Altar ist seit den ersten Überlieferungen der Bibel eine Stätte der Begegnung mit Gott. Aus Dankbarkeit Gott gegenüber wurde dort geopfert; Früchte aus Feld und Garten und auch Tiere. Die Menschen hatten das Empfinden, dass sie ihr Leben nicht sich selbst verdankten. Was wir Menschen erreichen, geschieht niemals nur aus eigener Kraft. Wer am Altar etwas von sich selbst hingibt, legt dadurch Zeugnis ab für die Macht, die größer ist als der Mensch. Leben ist Geschenk, und nur der lebt wirklich, der es weiterschenkt." - so beschreibt es zutreffend Wenzel Lohff in seinem Büchlein "Wo wir uns versammeln".
"Im christlichen Glauben hat das Opfern durch Christus einen neuen Sinn erfahren. Da geht es nicht mehr um einzelne Gaben, mit denen man Gott begegnen will, um ihn günstig zu stimmen. Vielmehr ist Gott für Jesu die Macht, die alles Leben schon vorweg gewährt, die Lilien kleidet, die Vögel ernährt, das verlorene Schaf sucht, die Schuld vergibt und zum großen Gastmahl einlädt. Diesen Gott richtig erfahren, ihn empfangen, darum geht es für uns Christen. Und das ist für uns verbunden mit Jesus Christus. Er nahm sein Leben von Gott als Geschenk und schenkte es weiter für die Menschen, die ihn brauchten, bis zum Tod am Kreuz. Als Zeichen dafür, dass man Gott in Jesus empfangen kann, gab Jesus das Abendmahl. Wer das Abendmahl empfängt, der empfängt das Opfer Jesu, der empfängt damit Gott selbst, der das Verlorene sucht und Schuld vergibt. Auf diesen Zusammenhang weist uns das Kreuz über dem Altar hin und lädt ein zur Tischgemeinschaft am Altar."
Altartuch in der Passionszeit
Gemeinschaft in Christus
"Gott als Lebensspender"
Die sechs Leuchter auf dem Altar mit dem erhöhten Kruzifix in der Mitte erinnern stark an den jüdischen siebenarmigen Leuchter, die MENORA: Gott als Lebensspender, der Macht hat über die Himmelswelt. Als kultisches Gerät ist die Menora Symbol der Gegenwart Gottes und des ewigen Lebens.
Zum Chanukka-Fest wird der Leuchter mit acht Kerzen entzündet.
"Ewigkeit" und "Neues Leben"
Unsere Leuchter auf dem Altar sind so gestaltet, dass jeder Leuchter das Kreuz in der Mitte abbildet, der Teller als Querbalken und der Dorn mit Kerze als Längsbalken. Besonders deutlich wird das auf dem älteren Bild. Das erhöhte Kreuz in der Mitte weist auf Christus als d a s LICHT DER WELT.
Durch die zwei weiteren Standleuchter jeweils am Rand des Altares kommen wir am Altar nun auf acht Leuchter mit Kerzen. In der Zahlensymbolik steht die Zahl 8 für "Ewigkeit" und "neues Leben". Oftmals findet sich darum die Zahl 8 in einer Kirche wieder - ob bei den Fenstern, den Ecken des Taufsteins oder an anderer Stelle - wie hier bei den acht Leuchtern.
Zahlensymbolik "Acht"
Im Christentum ist in der Zahlensymbolik des Mittelalters die Acht eine besondere Zahl. Sie symbolisiert den glücklichen Anfang, den Neubeginn, die geistigen Wiedergeburt, Taufe und Auferstehung und den Neuen Bund. Mit dem 8. Tage beginnt eine neue Woche, eine neue Zeit – bei den Kirchenvätern Symbol für den Tag der Auferstehung des Herrn (resurrectio Domini) und der Neuschöpfung in der Taufe. Bereits im Judentum hatte die "Zahl 8" besondere Bedeutung. Denn acht Menschen werden in Noahs Arche gerettet (1 Mos 6,18) und am 8. Tag nach der Geburt findet die jüdische Beschneidung statt.8 Tage dauert das jüdische Chanukka-Fest, jeden Tag wird eine weitere Kerze an der Chanukkia, dem achtarmigen Leuchter, entzündet. Der Leuchter hat neun Arme für ein zusätzliches Licht, der sog. Diener (hebr. Schamasch) zum Anzünden der acht Lichter. (vgl. Wikipedia)
"O Heiland reiss die Himmel auf..."
Unsere Kirchenfenster
Mit der Kirchrenovierung 1962 wurden auch die Fenster neu gestaltet. Hinter dem Altar Richtung Osten sind sie ein Hinweis auf das himmlische Licht, das uns in Christus schon jetzt leuchtet.
Formen und Farben sind so gestaltet, dass sie uns auch das Gottesdienstgeschehen deuten: Die Zacken von oben nach unten deuten die Bewegung an, die Gott zu uns nimmt. Und die Zacken von unten nach oben könnte unsere Bewegung zu Gott abbilden, wenn wir uns mit Gebet und Lobgesang zu ihm wenden.
Das himmlische blau würde man eigentlich oben in den Fenstern erwarten, doch es prägt jeweils das ganze Fenster. Der Himmel ist "offen" und "nahe herbei gekommen" - und das verbinden wir mit dem Kommen und Wirken Jesu Christi. Im Weihnachtslie: "O Heiland reiss die Himmel auf" (EG 7) heisst es weiter:"...herab, herab vom Himmellauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloß und Riegel für." Da passt es, dass die neu gestalteten Fenster mit der damals frisch renovierten Kirche im Advent "eingeweiht" wurden.
Die violetten Farben stehen im Kirchenjahr bei den Paramenten für die Vorbereitungszeit der Christusfeste zu Weihnachten und Ostern. Hier kommen Gott und Mensch, Himmel und Erde sich nahe. Christus ist der Mittler, die Brücke. Neben dem himmlischen Blau dominiert wohl auch deshalb das Violett bei der Farbgestaltung.
Allerdings bietet sich auch eine weitere Deutung an: Die rot/violette Farbe kann unsere Herzen darstellen, die sich Gott im Himmel zuwenden, wie wir es im Kirchenlied "Liebster Jesu wir sind hier " besingen, "...dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden". Auch dafür kann die künstlicherische Gestaltung der Fenster ein schönes Sinnbild sein.
Den Entwurf für die beiden Kirchenfenster lieferte der Bremer Kunstmaler Krönik.
Erntedankfest in der St. Lambertus-Kirche Kirchtimke



