"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe... "
Hochzeit und Trauung
Es ist schon etwas ganz Besondres, wenn sich zwei Lebenswege kreuzen und und ein gemeinsamer Weg daraus wird mit dem Willen, einander "ein Leben lang" zu lieben und zu achten. Die kirchliche Trauung begeht diesen wunderbaren Beginn und stellt ihn unter die Fürbitte um den Segen Gottes, zusammen mit Menschen, die dem Brautpaar an diesem Tag wichtig sind und Menschen aus der Gemeinde, denen das Brautpaar wichtig ist.
Es muss auch nicht traditionell die große Hochzeit „ganz in Weiß" mit vielen Gästen sein - wir begleitet Sie als Kirche ebenso gerne, wenn Sie in kleinem Kreis und einfachem Rahmen feiern möchten, auch am Sonntag im Anschluß an den Hauptgottesdienst.
Wir wünsche viel Freude an der Vorbereitung der Trauung und beraten Sie gerne!
„Wenn einem die Treue Spaß macht, dann ist es Liebe." ( Julie Andrews, *1935)
Blick in die Kirche
Zur Vorbereitung
Die sorgfältige Planung des Traugottesdienstes geschieht im gemeinsamen Traugespräch. Vorschläge für Lieder und Texte können dazu gerne mitgebracht werden.
Es empfiehlt sich, die Terminabsprache sehr rechtzeitig vorzunehmen. In den Sommerferien und Urlaubszeiten kann der Ortspastor verhindert sein, dann sind Vertretungsabsprachen nötig. Wenn eine besondere Situation vorliegt, bitten wir Sie frühzeitig mit uns Kontakt aufzunehmen. Nur dann ist es möglich, Lösungen ohne zeitlichen Druck zu finden. Eine Trauung kostet in der Regel nichts, bei Brautpaaren aus anderen Kirchengemeinden erbitten wir eine Spende für die Kirchennutzung.
Suchen Sie einen Trauspruch, dann gehen Sie z.B. auf die Seite:
www.trauspruch.de
Ihr Pfarramt in Kirchtimke
Geschichte: Ländliche Hochzeitsbräuche
Ländliche Hochzeitsbräuche
Wie war es früher? Zuerst wurde das Brautpaar an drei Sonntagen verkündet. Beim dritten Male war das Brautpaar anwesend. Nach dem dritten Aufgebot erfolgte die Trauung. In unserer Gegend waren bis vor wenigen Jahren Haustrauungen allgemeine Sitte. Kirchtrauungen galten sogar fast wie Trauungen zweiter Klasse. War die Braut aus einem anderen Dorfe, wurde sie in einem geschmückten Wagen mit geschmückten Pferden zum Dorfe und Hochzeitshause feierlich eingeholt. Beim Eintritt in die Diele wurde ihr Brot, Salz und ein Schluck Wein gereicht. Waren beide Brautleute aus demselben Dorfe, so zog das Brautpaar und die Gästeschar vom Hause der Braut zum Hause des Bräutigams. Dabei schrien die einigen hundert 'Menschen öfters alle zusammen "Juh!" - Das war ein seltsamer Anblick: dieses schweigende Heranschreiten der Menschenmasse und immer wieder der plötzliche Aufschrei. Das war ein tausendjähriger Brauch. Die alten Ahnen wollten durch lautes Schreien böse Geister vertreiben. Wie wäre das schön, wenn man auch heute noch durch solches Geschrei manche bösen Hausgeister vertreiben könnte. Aber manchmal kommen sie durch Geschrei erst recht herbei. Besser ist es, wir verlassen uns auf unseren Herrn Christ. Der vertreibt die bösen Geister am kräftigsten aus Herzen und Häusern. Früher gab es in unserer Gegend als Geisterlärm auch das Hochzeitsschiessen. Wenigstens kann man das dem Kirchenbuche in St. Jürgen entnehmen, wo berichtet wird, daß beim Hochzeitsschießen ein Gast durch eine zersprungene Pistole verletzt wurde. Da hatte einer tatsächlich seine Pistole "bet boben vull geloden". Hochzeiten fanden stets an einem Freitag statt. Auch setzte man am liebsten die Hochzeiten im Sommer an, wenn das Vieh noch draußen war. Dann wurde nicht nur die Diele aufgeräumt, sondern es wurden auch die Seiten-Ställe blitzsauber gewaschen und alles mit grünen Zweigen geschmückt. An der Herdstelle, dem "Flett", stand als Hausaltar ein Tisch mit Lichtern. Dort vollzog der Pastor die Trauung des Paares. In jener alten Zeit wurde das Erscheinen des Pastors und der Frau Pastorin mit Spannung erwartet; denn die im Pfarrhaus aufbewahrte, mit Gold geschmückte Brautkrone wurde von der Pastorin mitgebracht und der Braut feierlich als Ehrenkrone aufgesetzt. Da schimmerte manches Mutter- und Vaterauge feucht, wenn Eltern ihr junges Kind so geehrt sahen. Wie schon gesagt, wurden in den letzten Jahren die Kirchtrauungen Sitte. Brautpaar und Gästeschar fahren in Autos zur Kirche. Dabei müssen sich die vielen Fahrer davor hüten, in zu kurzem Abstand zu fahren. Noch besteht die Sitte, dass Kinder das vorn fahrende Brautpaar mit einer über die Strasse gespannten Leine aufhalten, weil sie Bonbons erwarten. Es ist schon vorgekommen, dass bei dem plötzlichen Halten die hinten Fahrenden heftig aufeinander fuhren und den Hochzeitsbraten versäumten. Schön ist es, wenn noch einmal wie in alten Zeiten ein mit Pferden bespannter Brautwagen durch das Dorf fährt. Da bekommen wir doch eine Vorstellung davon, wie es früher zuging. Freilich können wir die alten, ruhigen, beschaulichen Zeiten nicht zurück holen. Doch die Sache bleibt dieselbe wie einst: Frohe Gäste scharen sich um zwei Menschen, die den Lebensbund schliessen. Und nun das Hochzeitsessen. Bis zum Kriege gab es auf der Geest noch die "Kaffeehochzeiten". Das Hochzeitshaus spendete das Essen auf der Diele. Darüber hinaus hielten aber viele Häuser des Dorfes Kaffee und Kuchen bereit. Die an sich schon satten Gäste mussten von Haus zu Haus ziehen und ehrenhalber in jedem Hause Kuchen essen, soweit sie das noch konnten. Als im Kriege diese Sitte verschwand, waren eigentlich alle froh. Das Hochzeitsessen auf der Diele war für Junge und Alte eine Freude. Begehrt war damals der riesige warme Mehlpudding mit Rosinen, der allein schon den Magen füllte, und dann die Suppe, und dann der Braten mit Kartoffeln und Sosse, und dann Gemüse und Backobst! "Djunge, ett sinnig, denn kannste mehr loten!" "Junge,iss langsam, dann kannst du mehr wegstauen!" rief wohl ein Vater seinem kleinen Sohn zu. Und so tat man auch. In behaglicher Ruhe ass man die leckeren Sachen, die es nicht alle Tage gab. Das Hochzeitshaus hatte keine teure Bedienung nötig. Frische, muntere Haustöchter schleppten alles flink herbei und wieder fort. Der Hochzeitsbitter mit buntem Bänderhut überwachte den reibungslosen Ablauf. Sie alle waren die "Aufpasser". Nach Aufhebung der Tafel assen dann die "Aufpasser" und die Gäste ergingen sich. Die Frauen besahen sich die Ausstattung der Braut. Die Männer gingen durch Hof und Dorf. Und das junge Volk begann bald den Tanz. Der Jubel klang in die Nacht hinaus. Im Großen und Ganzen nehmen ländliche Hochzeiten noch heute ungefähr diesen geschilderten Verlauf. Wenn sonst in den Dörfern vieles "verstädtert" ist, in den Hochzeiten ist das Land noch lebendig. Solche Feste kann man in der Stadt nicht nachmachen. Darum wäre es für ein gesundes Volksleben zu wünschen, dass diese alten Hochzeitsbräuche weiter erhalten blieben.
Notizen von Gerhard Scheele (1964)


