Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Seelsorge

"Kann ich einmal mit Ihnen sprechen?"

"Es ist gut, dass Sie sich die Zeit nehmen..."
Jeder weiß es: Es tut gut, vertrauensvoll mit einem anderen sprechen zu können, damit sich Gedanken ordnen, neue Gesichtspunkte in den Blick kommen oder auch eine schwere innerliche Last leichter wird. Seelsorge ist so ein persönliches Gespräch im kirchlichen Kontext. Dabei geht es immer um den Menschen in seinen Bezügen, und wie diese konkret gerade jetzt erlebt werden; darum spielt die jeweilige Situation eine wichtige Rolle, ob Sorge um die Gesundheit, Veränderungen im Leben oder in den sozialen Kontakten, Konflikte, Selbstzweifel, Einsamkeit oder Trauer. Auch die Fage nach Deutungsmustern, Sinn und Ziel im Leben, das Empfinden von Schuld und die Beziehung zu Gott kann Anlass für ein seelsorgerliches Gespräch sein.

Was meint "Seelsorge" eigentlich?
Der Begriff Seelsorge ist nicht geschützt und zur inhaltlichen Vielfalt ist oben schon einiges angedeutet. Das öffnet einer weiten Interpretation die Tür und lässt uns deshalb genauer nach den Inhalten christlicher Seelsorge fragen. In den christlichen Kirchen hat der Begriff Seelsorge eine lange Tradition. An dieser Stelle kann keine vollständige Übersicht geboten werden, einige zentrale Punkte sollen hier genügen.
Im Zusammenhang des mittelalterlichen Lebens und Denkens beinhaltete Seelsorge zum einen die Verpflichtung, dass jeder Mensch als Christ oder Christin dafür Sorge trägt mit einem getrosten Gewissen vor Gott treten zu können. Der belastete Mensch erfährt für seine "Seele" Entlastung. Das Sakrament der Beichte und der letzten Ölung mit der Lossprechung von Sünden entwickelte sich bereits früh in der römischen Kirche. Das wurde als wichtige Aufgabe für einen jeden Menschen im Leben gesehen. Die Kirche stand den Glaubenden helfend und zusprechend bei, allerdings mit einem Privileg auf den vergebenden Zuspruch und der Betonung und Würdigung der guten Taten. Mit der Reformation wandte sich dann der Blick von den Werken des Menschen ganz auf den barmherzigen Gott, dessen Gnade sich alle Glaubenden gewiss sein können; die zwingende Notwendigkeit eines Priesters in der Seelsorge entfiel. Seelsorge war nicht länger Forderung an die Christen, aber weiterhin ein wichtiger gegenseitige Dienst untereinander; auch heute gibt es Personen, die dafür in Gemeinden oder Beratungsstellen ausgebildet und nicht nur in Notfällen zuverlässig anzutreffen sind.

Wie verläuft Seelsorge und wen kann ich ansprechen?
Über den Inhalt eines Gesprächs entscheidet jede Person selbst. An den Anfang gehört deshalb in der Regel eine Verständigung darüber. Wer ein Seelsorgegespräch sucht, der kann auf Einfühlung, Angenommensein, Aufmerksamkeit und Verschwiegenheit vertrauen. Der weitere Verlauf ist dann vom Gespräch abhängig und kann mit einer weiteren Vereinbarung, einem Zuspruch oder auch offen schliessen. Bei Bedarf vereinbaren Sie gerne einen Termin in Ihrem Pfarramt. Erfahrungsgemäß geht es nicht immer um akute Notfälle oder Riesenprobleme im Leben, manchmal ist Seelsorge eher ein gemeinsames Nachdenken, wenn innerlich etwas in Bewegung kommt oder eine Entscheidung ansteht. In meiner Jugend gehörte dazu z.B. auch die Gewissensentscheidung "Wehrdienst oder Zivildienst", heute ist es vielleicht die Frage nach einem freiwilligen sozialen Jahr, nach der Wahl des Berufes, Verantwortung in Familie und Partnerschaft, erlebte Gewissensnöte, Glaubensfragen u.a.m.

Seelsorge ist ein geschützter Raum
Mit dem Glauben lösen sich nicht automatisch alle inneren Nöte; denn Überzeugungen wollen im praktischen Leben umgesetzt werden, stoßen dabei aber auch auf Widerstände. Die Unsicherheit im eigenen Tun und im nächsten Schritt kann sehr belastend erlebt werden und im äußersten Fall alle Lebensfreude lähmen und Menschen an ihre Grenzen führen. Die seelsorgerliche Beziehung bietet in einem geschützen Raum Gelegenheit darüber zu sprechen. Wenn das in einer bedrängenden Situation als Lebenshilfe nicht ausreicht, kann es ratsam sein einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen, insbesondere bei Erkrankungen der Psyche und Störungen im Selbstverhältnis. Seelsorgliches Handeln in der Gemeinde oder im Einzelgespräch geschieht zwar nach reflektierten Grundsätzen und berücksichtigt humanwissenschaftliche Erkenntnisse, ist aber selbst nicht Psychotherapie, auch wenn kirchliche Seelsorger methodisch geschult sind.

Was meint "Seele" eigentlich?
Der Begriff der "Seele" ist im alltäglichen Sprachgebrauch vielschichtig und unscharf. In der Psychologie wird er deshalb zumeist gemieden. Je nach philosophischer, medizinischer oder psychologischer Tradition und Brille schillert der Begriff auch in der Theologie. Es hat sich aber auf breiter Ebene durchgesetzt, den Menschen in der christlichen Anthropologie als Ganzheit zu sehen und ihn nicht "aufzuteilen", als ob Körper, Geist und Seele voneinander getrennt existieren und gesondert "angeschaut" werden könnten. Die metaphorische Sprache von der "leiblichen" Auferstehung im christlichen Glauben hält diesen Zusammenhang als "persönliche Identität" im christlichen Glauben fest, wo für uns nach unserem irdischen Leben doch scheinbar Körper und Geist auseinander fallen und damit alles Persönliche ein Ende findet. Doch auch wenn wir uns Menschen als Ganzheit sehen, gehören zu unserer Persönlichkeit zugleich Widersprüche, die mit Hilfe eines Gesprächspartners ausgehalten werden können. Ich fasse zusammen:

1. In der Seelsorge geht es um den ganzen Menschen
In der Seelsorge würde man eher sagen, "der Mensch ist Seele", als "der Mensch hat eine Seele". Die sozialen Bezüge gehören im weiteren Sinn auch zu uns als Personen dazu. Der gesamte Lebenszusammenhang kann also in der Seelsorge ebenfalls in den Blick kommen. Es geht ja immer um das konkrete Erleben in bestimmten Bezügen des Lebens, Freude und ebenso auch erlebte oder gefühlte Nöte, die "auf der Seele liegen" und das Leben schwer machen.

2. Seelsorge ist gegenseitige Lebenshilfe im Vertrauen auf Gott
Beistehen, Mittragen und sich Einfühlen, dazu ist einerseits jeder Christ nach evangelischem Verständnis berufen und befähigt, andererseits ist in unserer Kirchengemeinde das Pfarramt als verlässliche Stelle dazu besonders beauftragt. Dabei sind die Gesprächssituationen mitunter recht unterschiedlich: einmal sind es Gespräche zwischen Tür und Angel oder nur kurz auf der Strasse, dann länger bei einem Besuch im eigenen Haus oder vereinbart im Pfarrhaus, Gemeindehaus oder einer Beratungsstelle. Die Umstände und der Anlass können sehr unterscheidlich sein, so dass sich auch eine Gesprächsführung jeweils daran zu orientieren hat. Wenn Seelsorge als Lebenshilfe aus dem Glauben erfahren wird, können beide Gesprächsparter am Ende vielleicht sagen: "Gott sei Dank!"

3. Seelsorge ereignet sich in der Beziehungsarbeit
Seelsorge ist im christlichen Verständnis ein Beziehungsgeschehen, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ereignet sich Seelsorge in der Beziehung der Gesprächspartner, zum anderen geschieht Seelsorge im Vertrauen darauf, dass Gott in den Beziehungen unseres Lebens immer schon präsent ist. Darum kann zur Seelsorge auch das begleitende Gebet gehören, Beichte, Bitte um Schuldvergebung und Segnung als Kraft zu einem neuen Leben. Der Glaube an Gottes Liebe und Barmherzigkeit ist dabei ein leitendes Motiv, ebenso die Achtung und Wertschätzung allen Lebens. Das evangelische Verständnis der Rechtfertigung des Menschen durch Gott selbst ist dabei prägend.

4. Seelsorge ist Reden und Hören unter dem Zuspruch Gottes
Interessant ist das biblisch-hebräische Verständnis von "Seele", z.B. in den Psalmen: Lobe den Herrn meine Seele / Du meine Seele singe... In diesem Verständnis "ist" der Mensch Seele (nicht: er hat eine Seele) und die Kehle ist sozusagen der körperliche Ausdruck, hier äußert sie sich in Zeiten der Freude und auch in Zeiten erlebter Not. Damit schliesst sich der Kreis zur Gesprächssituation in der Seelsorge als ein Reden und Hören im Vertrauen auf den Zuspruch Gottes, der uns an jedem Tag neu leben lässt. Denn das ist christliche Hoffnung, dass Gott sich uns zuwendet und zugewandt bleibt, unsere Not sieht und unser Rufen hört - auch und gerade im anderen Menschen.

(C) 2017 Wolfgang Preibusch, Kirchtimke





 

Besuchsdienst

In der Besuchsdienstarbeit zeigen wir unsere Bereitschaft als Gemeinde, ein Ohr füreinander zu haben. Verschwiegenheit ist für alle Mitarbeitenden im Besuchsdienst selbstvertändlich. In regelmäßigen Fortbildungen und im thematischen Austausch in der Gruppe werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleitet.

In der Regel besuchen wir in der Gemeinde "Geburtstagskinder" ab 75 Jahre jährlich. Zu den runden Geburtstagen kommt i.d.R. der Pastor und zu den Geburtstagen ab 90 Jahre.

Krankenbesuche und Nachbesuche bei Trauerfällen erfolgen zumeist auf Nachfrage und Wunsch. Ältere und gehbehinderte Gemeindeglieder, die gerne einen Besuch wünschen, wenden sich bitte an das Pfarramt (Tel. 04289-254). Danke!

Mehr erfahren Sie oben unter : "Treffpunkte und Angebote / Besuchsdienst"