Silberne, Goldene, Diamantene Konfirmation
"Gott Vater, Sohn und Heiliger Geiste segne dich, er sei dir Schutz und Schirm und bewahre dich zum ewigen Leben".
Unser ganzes Leben sehen wir Christen im Zusammenhang der Geschichte Gottes mit uns Menschen. Es gibt für uns keinen Tag, den wir ohne unsren Gott leben müssten, Gott sei Dank! Das kann uns auch in schweren Zeiten Mut machen. Etwa seit 1951 gibt es bei uns die Feier der Goldenen Konfirmation, seit 1981 die Feier der Silbernen Konfirmation. Auf Wunsch der "Goldenen" wurde dann auch 1990 die Diamantene Konfirmation eingeführt.
Der persönlich zugesprochene Segen der Konfirmation und die erlebte Gemeinschaft in unserer Kirche werden bei unseren Jubelkonfirmationen lebendig. Festliche Gottesdienste mit Posaunenchor oder Kirchenchor, die Feier des Abendmahles, und das fröhliche Beisammensein am Nachmittag gehören bei uns nach 25 , 50 oder 60 Jahren Konfirmation regelmäßig zu den Höhepunkten in der Gemeinde. Viele Gäste kommen von weit her - manchmal auch aus Amerika, um im Kreis der früheren Konfirmanden aufs Neue "bestärkt" (konfirmiert) zu werden für den Weg des Lebens und des Glaubens.
Auch später Zugezogene können ihr Konfirmationsjubiläum gerne bei uns feiern.
Ihr Pfarramt in Kirchtimke
Segen zur Jubelkonfirmation
Liebe Jubilare,
Gottes Schutz ist euch bei eurer Konfirmation zugesprochen und Gottes Geist ist für euch erbeten worden. Mit seiner Treue hat euch Gott bis zu diesem Tag begleitet. Ihr habt Liebe erfahren und Liebe gegeben.
Umwege hat Gott euch nicht erspart und euch manche Leiden zugemutet.
Vielleicht habt ihr gerade in schweren Stunden Gottes Nähe gespürt. Heute schaut ihr zurück auf diesen Lebensabschnitt, der hinter euch liegt.
In der Stille bedenken wir, was uns Gottes Treue bedeutet:
Stille
Jesus sagt:"Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."
Der Segen Gottes, der euch bis heute begleitet hat, bleibe bei euch alle Tage eures Lebens und gebe euch Kraft für den Weg, der vor euch liegt. Friede + sei mit euch.
Jubilare: "Amen"
Silberne Konfirmanden treffen sich in Kirchtimke
Am Sonntag, dem 18.9.2011, gab es in Kirchtimke einen besonderen Festgottesdienst. Die ehemaligen Konfirmanden aus dem Jahrgang 1986 trafen sich zur Feier der Silbernen Konfirmation. Es war der erste Jahrgang, den Pastor Wolfgang Preibusch im Kirchspiel Kirchtimke konfirmierte. 35 Teilnehmer waren gekommen, nachdem die Kirchenvorsteher ihre Adressen ausfindig gemacht hatten. Der Kirchenchor unter der Leitung von Uwe Bettels gestaltete den Gottesdienst musikalisch aus. Nach einem gemeinsamen Mittagessen schloss sich ein gemütliches Beisammensein im Gemeindehaus bei Kaffee und Kuchen an. Jeder Silberne Konfirmand erhielt eine Erinnerungsurkunde und hatte Gelegenheit zum Erzählen. "Das war ein sehr schöner Tag", sagten die Teilnehmer am Schluss. "Gut, dass ich gekommen bin", ergänze ein ehemaliger Konfirmand. Einige verabredeten sich noch spontan für den Abend. Anderen hatte der Chor so gut gefallen, dass sie Lust zum Mitsingen bekommen haben. Die Silberne Konfirmation wird seit 1981 in Kirchtimke gefeiert, nunmehr also seit 30 Jahren.
Silberne Konfirmation 18.9.2011 in Kirchtimke
Predigt zur Silbernen Konfirmation 2011
13. So nach Trinitatis 18.9.2011 / Mk 3, 31-35
Liebe Silberne Konfirmanden, liebe Gemeinde,
kaum zu glauben, dass tatsächlich bereits 25 Jahre vergangen sind.
1986 bin ich im Februar nach Kirchtimke gekommen – und schon 10 Wochen später war Eure Konfirmation, liebe Jubilare. Damals hatten wir gerade noch Zeit auf Konfirmandenfreizeit nach Hollenstedt zu fahren und den Vorstellungsgottesdienst vorzubereiten.
Damals hatte ich mit Euch, liebe Silberne Konfirmanden, einen Kanon eingeübt: Dona nobis pacem. - Die Bitte an Gott: Gib uns Frieden.
Ihr hattet euch alle hier vorne aufgestellt – ich wollte anstimmen – und dann kam ich nicht auf den richtigen Ton. Könnt ihr euch erinnern? Sicher. Doch in der Gemeinde war ein Freund, der kam mir zu Hilfe und dann ging es schließlich. Heute ist der Kirchenchor da und wird das Lied nachher singen – und wenn ihr wollt, singt es mit.
Dass wir uns heute hier miteinander zum Gottesdienst versammelt haben, hat zum einen etwas mit dem Jubiläum zu tun, zum anderen damit, dass wir als Christen einen gemeinsamen Ort haben, wo wir uns unserer Gemeinschaft vergewissern können: in der Kirche Jesus Christi. Sie verbindet uns, egal wo wir wohnen, arbeiten und leben, sie verbindet Christen rund um unseren Globus. Das hängt mit der Geschichte zusammen, die für heute als Predigttext vorgeschlagen ist, Mk 3,31-35: Die Verse sind in der Lutherbibel mit der Überschrift versehen „Jesu wahre Verwandte“
31 Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.
32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.
33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!
35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Noch einmal langsam: Jesus ist in einem Haus. Er sitzt da und ist umringt von Menschen. Draußen vor der Tür kommt seine Mutter Maria mit seinen Brüdern und seinen Schwestern. Tatsächlich. Er war kein Einzelkind. Die Geschwister schicken jemand ins Haus, um ihn zu rufen. Darauf machen ihn die, die im Haus sind, aufmerksam: Siehe, da draußen sind deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern. Sie fragen nach dir. Sie wollen etwas von dir.Wie reagiert Jesus darauf? Er geht nicht nach draußen zu den Seinen, sondern er stellt zunächst eine Frage:
Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Wir denken, das ist doch klar. Die, die draußen vor der Tür stehen, sind es! Er aber beantwortet die selber gestellte Frage ganz anders:
Er hebt seine Hand und deutet mit dem Finger auf die Menschen, die um ihn herum sitzen, schaut sie an und sagt: Seht, diese da sind meine Mutter und diese da sind meine Brüder. Also nicht draußen seine Mutter Maria und auch nicht seine leiblichen Geschwister, sondern die mit ihm drinnen im Haus sind, bezeichnet er als seine Angehörigen. Wie erstaunt werden alle gewesen sein. Wir können uns vorstellen, daß seine Mutter und seine Geschwister den Kopf geschüttelt haben und sich fragten: Wie kommt er dazu? Was meint Jesus, wenn er sagt: Nicht Maria und nicht meine Geschwister draußen, sondern die, die hier um mich sitzen, das ist meine Familie. Mit anderen Worten: Wer ihn in der Mitte hat, gehört zu ihm. Damals hat es Jesus so gesagt und heute gilt es noch ebenso auch für uns in diesem Gottesdienst. Denn Jesus Christus hat gesagt: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da hin ich mitten unter ihnen (Mt. 18,20). Er ist auch heute mitten unter uns. Er will mit uns reden durch die Lesungen und Predigten hindurch. So sind wir alle seine Familie, seine Schwestern und seine Brüder. Und darin wurdet ihr in der Konfirmation bestärkt, damals vor 25 Jahren und heute nun aufs Neue, 2011.
Damals waren die Menschen zu Jesus in das Haus gegangen. Heute sind wir hier in der Kirche zusammengekommen. Man muß sich schon öffnen und Jesus in die Mitte lassen, dann tritt er in Beziehung zu jedem Einzelnen. Darum haben wir ja das Christuskreuz über dem Altar, als sichtbares Zeichen dieser Mitte.
Wer draußen bleibt, auch wenn er Maria heißt, dem entgeht eine ganze Menge. Damals wollten Maria und seine Geschwister Jesus zurückholen in die Familie. Sie wollten wohl, daß er wieder ganz der Zimmermannssohn aus Nazareth ist. Sie meinten, dass er dahin gehöre. Sie verstehen jedenfalls nicht, daß er einen neuen, eigenen Weg mit Gott geht.
Damit die Hörer damals und wir heute Jesu Verhalten und sein Wort verstehen, fügt er, nachdem er auf die Menschen um sich gezeigt hat, ein weiteres, ein erklärendes Wort hinzu: Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Es ist auffällig: Vom Vater ist nicht die Rede. Bei dem Evangelisten Matthäus, der diese Geschichte auch erzählt, heißt es wohl nicht zufällig: ,,Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut ...,, Dadurch wird deutlich, wovon Jesus spricht: Er redet von der Familie Gottes, von der Familie, bei der Gott, der Vater im Himmel, der Vater ist. Damit sagt er zugleich: Mich hat Gott der Vater zu euch gesandt. Wer auf mein Wort hört, der hört meinen Vater, Gott. Wer mir begegnet, der begegnet Gott. Das ist das Geheimnis der Gemeinde in jedem Gottesdienst. Jesus Christus ist in der Mitte, und wir um ihn herum hören auf ihn.Damals machte Jesus den Anfang zu einer ganz neuen Familie, der Familie Gottes, zu der auch wir alle als seine Schwestern und seine Brüder gehören. Wir nennen uns alle nach ihm Christen. Wir tragen so seinen Namen. Wir sind hinein genommen in ,,die Gemeinschaft der Heiligen".Manche mögen denken: Eine eigenartige Familie! Da habt ihr recht. Zur Familie Gottes gehören Arme und Reiche, Kranke und Gesunde, Junge und Alte, Einheimische und Ausländer, Fromme und weniger Fromme, Kirchgänger und Menschen, die selten zum Gottesdienst kommen. Auch wir sind eine ganz gemischte Gesellschaft. Nur eines ist anders geworden seit den Worten Jesu damals: Die Familie Gottes ist enorm gewachsen. Es ist nun eine weltweite Familie in allen Kontinenten dieser Erde. Alle Unterschiede, ob Mann oder Frau, ob Europäer oder Afrikaner, sind zweitrangig. Zu dieser Familie hat jeder Zugang. Hier haben alle ein Zuhause bei Gott und bei den Menschen zugleich. Denn die Gemeinde Jesu ist für uns ein Zuhause jetzt und für alle Zeit.
Christus macht uns zu Schwesstern und Brüdern - unsere Aufgabe ist es, das auch mit Leben zu füllen. Zum Beispiel auch, dass wir im Frieden miteinander umgehen – wie wir es damals mit etwas Mühe gesungen haben: Dona nobis pacem. Gib uns Frieden. Daß wir in Christus alle zu der einen weltweiten Familie Gottes gehören, das ist doch eine großartige Sache. Es ist der eine Geist, der heilige Geist, der uns in der großen Familie Gottes über alle Unterschiede hinweg miteinander verbindet. Das sichtbare Zeichen dafür ist die Taufe. Und dass wir uns in Jesu Namen versammeln und als Brüder und Schwestern leben. Lieben. Füreinander da sind. Um Frieden bitten und ihn selbst üben.
Liebe Silberne Konfirmanden, liebe Gemeinde, darauf werden wir heute miteinander aufs Neue gewiesen mit den Worten Jesu aus dem Markusevangelium: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Diamantene Konfirmation Kirchtimke 3.7.2011
Predigt zur Diamantenen Konfirmation 2011:
2.So. n.Trinitatis - Predigt zu Mt 22,1-14
Liebe Diamantene Konfirmanden, liebe Gemeinde,
Konfirmation vor 60 Jahren, das feiern wir heute hier in unserer Lambertus-Kirche mit der Gemeinde.
Bei Ihnen, liebe Jubilare, gehen die Gedanken zurück - wie das damals war und was seitdem geschehen ist. Und natürlich ist seitdem viel geschehen, seit Ihrer Jugendzeit.
1951: vor 60 Jahren hatte kaum einer einen Fernseher zu Hause. An den Abenden traf man sich vor dem Haus. Kaum einer hatte ein Telefon - und doch hat man sich mehr verabredet als heute, wo bald jeder zusätzlich ein Handy hat. Aber dafür hat damals noch keiner von der Gefährdung der Umwelt gesprochen oder von den Chancen und Problemen der Globalisierung.
Allerdings hatte auch kaum einer damals ein Bad oder eine Dusche. Und niemand will die alten Zeiten wirklich wieder haben.
Wie war das damals mit den älteren Leuten? Wer hatte schon Geld und konnte sich etwas leisten, verreisen zum Beispiel? Und ein Auto? Wer hatte überhaupt ein Auto? Und heute ist es so selbstverständlich wie das Paar Schuhe, das wir tragen.
Also, einiges ist schon anders geworden - seit Sie vom alten Pfarrhaus auf dem gestreuten Weg in die Kirche eingezogen sind. Wissen Sie noch, welche Zeichen vor der Kirche gestreut waren?
Kreuz, Herz, Anker - für Glaube, Hoffnung, Liebe.
Jeder Konfirmand wurde damit noch einmal daran erinnert, was uns Halt gibt und Kraft im Leben als Christen. Die Konfirmation war die Einladung, bewusst als Christ zu leben.
Wir wissen wie das mit Einladungen ist. Nicht jede Einladung wird angenommen. Und manches mal denkt man hinterher, wenn alle erzählen, wie schön es war: Wäre ich doch hingegangen. Und da passt die Lesung, das heutige Evangelium. Gott selbst gibt sich die Ehre, uns einzuladen. Bei diesem Fest brauchen wir eigentlich nur noch dem dem Klang der Musik zu folgen. Und schon sind wir dabei.
Allerdings: Was für ein Text heute für die Predigt aus dem Evangelium des Matthäus, liebe Gemeinde. Die Einladung eines Königs zur Hochzeit des Sohnes – und dann will keiner kommen oder es kommen die Verkehrten und es bleibt am Ende nur Schrecken. Ist das tatsächlich Evangelium – also „gute Botschaft“?
Jedenfalls ist es uns nicht möglich, das einfach zu hören und gleichmütig zu sagen: Ja, so ist es. Da sperrt sich etwas und darum ist es gut, genauer hinzusehen.
Immerhin richtet da ein König für seinen Sohn ein Hochzeitsfest aus. Doch als die Diener seine Einladung weitergeben wollen, erhalten sie Absagen. Auch der zweite Einladungsversuch schlägt fehl. Selbst der Hinweis auf das zu erwartende üppige Festmenue kann die Geladenen nicht umstimmen. Sie gehen einfach wieder zu ihrer gewohnten Tagesordnung zurück. Fragen stellen sich: Ist das Fest so merkwürdig? Ist der König vielleicht nicht besonders beliebt? Sind die Gäste schlecht gelaunte Zeitgenossen oder gleichgültige Banausen?
Versuchen wir das Gleichnis weiter aufzuschlüsseln: Manche Entsprechung legt sich ja nahe: der König, das ist Gott. Der Sohn, für den die Feier ausgerichtet wird, das ist Jesus.
Die Menschen seines Volkes sind eingeladen zu Gottes Fest. Aber sie wollen nicht kommen. Das erschüttert den König.
Jeder von uns kennt die Enttäuschung im Privaten, wenn man sich Mühe gemacht hat bei einer Feier, etwas Schönes vorzubereiten - und dann interessiert es keinen. Stellen sie sich vor, wir hätten hier heute alles für die Diamantene Konfirmation vorbereitet, die Tische im Gemeindehaus sind gedeckt – und keiner kommt! Aber können wir uns vorstellen, dass Gott wie der König im Gleichnis Truppen strafend ausschickt? Nein.
Und doch macht es die große Bedeutung der Sache klar, um die es hier geht. Gott ist die Einladung wirklich wichtig. So wichtig wie das Leben überhaupt. Wir können mit diesem Gleichnis sogar sagen: Nichts ist ihm wichtiger, als dass die Einladung ausgesprochen wird - und nichts wünscht er sich mehr, als dass seine Einladung angenommen wird. Jeder Gottesdienst, den wir feiern, erinnert uns ja an diese Einladung Gottes - und dankbar dafür singen wir als Gemeinde unsere Loblieder und geben Gottes Liebe in der Gemeinde und in der Welt weiter.
Und mit jedem Gottesdienst und jeder Feier des Abendmahles können wir doch nur staunen: Gott lädt uns auch heute noch ein, wieder und wieder, jede und jeden. Seine Einladung erreicht uns mit den Worten des Gleichnisses „an den Hecken und Zäunen“, da wo wir leben, auch in den Sackgassen und Einbahnstraßen unseres Lebens. Da können wir neu mit Gott anfangen und seine Einladung zum Fest des Lebens annehmen. Darüber können wir nur staunen, dankbar staunen.Ein Beispiel dazu aus einer ganz anderen Welt: Die Christen in Sibirien und Tadshikistan hatten seit der Oktoberrevolution oft über Jahrzehnte keine Bibel mehr, die ihnen Wegweisung und Zuspruch, Mut und Kraft gab. Pastor Helmut Grimmsmann hat zuletzt auf dem Missionsfest in Hepstedt davon erzählt. Sie schrieben Bibelspruche und Psalmen aus der Erinnerung auf und gaben sie in die Gemeinde. So hatten sie wenigstens so etwas wie eine geistliche Notnahrung. Doch sie wussten: Das waren nur Tropfen aus dem großen Überfluss der Bibel, Brotkrumen, die man zusammennimmt, um wenigstens etwas zum Leben zu haben. Wie sehr sie das ganze Wort Gottes vermissten, wird uns bewusst, wenn wir lesen, welche Freude sie über eine neue Bibel empfanden, die auf oft abenteuerlichen Wegen zu ihnen kam.
Da schrieb ein Wolgadeutscher aus Sibirien über den Empfang eine Bibel vom Gustav-Adolf-Werk: »An dem Tag, als die Bibel in die Gemeinde kam, waren alle einmütig zusammen in unserem Gebetshaus. Dann trug ein Ältester feierlich auf einem Tablett die Bibel herein, und alle Ältesten folgten ihm. Er legte das Buch auf unseren Altar. Da weinten wir alle miteinander vor Freude darüber, dass das gute Wort Gottes nun wieder ganz unter uns ist.«
Es gehört zu den eindrücklichsten Erlebnissen, wenn Menschen feststellen, dass all die großartigen weltlichen Angebote nicht wichtig für ihr Leben sind. Das Zuckerwerk der Unterhaltungsindustrie mag ganz lustig sein, man langt auch gern einmal zu - unser Leben aber kann es doch wohl nicht wirklich tragen und uns Halt und Kraft geben. Das schöpfen wir aus dem Glauben, das schöpfen wir daraus, dass Gott uns in seine Gemeinschaft ruft, und er bietet uns seine Hilfe für dieses Leben an, das allzu oft kein Zuckerschlecken ist.
Liebe Gemeinde, wir hören diese Einladung heute aufs Neue. Das Gleichnis hält uns vor Augen, dass Gott auf unsere Antwort wartet. Als christliche Gemeinde werben wir dafür, dass immer wieder neu Menschen der Einladung folgen, dass immer wieder neu Menschen sich aufmachen zum Fest Gottes, dass jeder von uns sich immer wieder neu entsprechend verhält - und dass wir miteinander mit Gottes Wort leben, dass wir aus ihm immer neue Kraft und Hilfe schöpfen und dass wir uns sein Wort immer neu zusprechen.
Gott sei Dank: Gott fragt nicht nach dem, was vorher gewesen ist, was vor der Einladung war. In jeder Phase des Lebens will er, dass seine Einladung gehört wird. Und er freut sich, wenn wir seine Einladung annehmen. Das ist die gute Nachricht in diesem Evangelium. Die alten Kleider bleiben vor der Tür. Ein neuer Sinn wird uns geschenkt. In der Nähe Gottes kann jede und jeder von uns einen guten Platz finden, so dass Leben hier auf Erden gelingen kann und Gemeinschaft geschenkt wird – und Glaube, Hoffnung und Liebe können sich entfalten.
Gott sei Dank, die Einladung gilt immer noch. Noch ist nicht das Ende der Zeit, sondern wir schauen auf den Festsaal, dessen Türen weit geöffnet sind. Der Tisch ist bereit, die Kerzen auf dem Altar brennen, unser Festsaal ist heute diese Kirche – und Gott ist mit seiner Liebe in unserer Mitte. Darüber dürfen wir froh werden.
Und der Friede Gottes...
© Wolfgang Preibusch
Goldene Konfirmation Kirchtimke 26.6.2011
Predigt zur Goldenen Konfirmation
Goldene Konfirmation 26.6.2011 // 1.Joh 4, 16b-21
Liebe Gemeinde an diesem Sonntagmorgen in Kirchtimke,
liebe Angehörige unserer Goldenen Konfirmanden heute,
liebe Jubelkonfirmanden !
Nun ist dieser Tag endlich da. Vor Monaten schon haben wir die Einladungen verschickt und jetzt sind wir hier aus verschiedenen Orten zusammengekommen, um hier in dieser Kirche der Konfirmation im Frühjahr 1961 zu gedenken. Einige haben abgesagt und lassen herzlich grüssen und ich freue mich, dass heute so viele der Einladung gefolgt sind.
Sicher sind schon auf dem Weg zur Kirche und vorher im Gemeindehaus so manche Erinnerungen wieder lebendig geworden. An ihren damaligen Pastor Scheele, den Unterricht, die noch ganz andere Zeit damals. Als Sie konfirmiert wurden, war ich erst 5 Jahre alt. Darum freue ich mich besonders auf das Erzählen am Nachmittag, wie das so damals war. Und darum geht es heute, daß wir unseren Lebensweg in den Blick nehmen. Ein langes Stück Leben liegt hinter Ihnen seit Gründonnerstag 1961. Und der heutige Predigttext lädt uns ein, uns auf Gott zu besinnen, der in unserem Leben am Werke ist.
Predigen möchte ich heute über die Epistel dieses Tages.
Ich lese 1.Joh 4,16-21:
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir [a]Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn [a]wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.
21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.[a]
Liebe Gemeinde, was stärkt uns mehr auf unserem Lebensweg, als die Erfahrung, dass einer unseren Weg mitgeht, und zwar voller Liebe. Das Abendmahl heute in diesem Gottesdienst ist uns ein Zeichen dafür. Mit anderen stehen wir in der Gemeinschaft vor Gott am Altar und rechnen mit Gottes Beistand und Hilfe. Damals am Gründonnerstag 1961 war es für Euch, liebe Jubelkonfirmanden, das erste Mal. Und heute zum Jubiläum werden ihr wieder miteinander am Altar stehen. Damals war es noch die alte Kirche, sie sah innen anders aus mit den Emporen und dem Kanzelaltar. Das Bild hinten in der Kirche bei der Bank unserer Küsterin zeigt es, wie die Kirche damals aussah. Doch egal was sich seit dem geändert hat, das ist geblieben: das Wort des liebenden Gottes und die Stärkung an seinem Tisch.
Da passt es gut, dass der Predigttext aus dem 1. Johannesbrief von der Liebe spricht. Das wäre ja interessant zu hören, wo jemand von uns das erlebt hat - und wo wir das erfahren haben, dass Gott Liebe ist.
Es ist ja ein gewaltiger Satz, mit dem der biblische Abschnitt beginnt. Gott ist die Liebe. Das beschreibt die Zuwendung Gottes zu uns als den Weg seiner Liebe: Gott hat sich zu uns auf den Weg gemacht, ist in diese Welt und zu dieser Welt gekommen.
Diese Welt - so empfinden es die biblischen Autoren, das ist Gottes gute Schöpfung. Aber die Menschen sind immer wieder von Gott weit entfernt, dass sie sich selbst an Gottes Stelle setzen wollten. Und so ist diese Welt geprägt von Macht und Gewalt, es gilt das Gesetz des Stärkeren, jeder ist sich selbst der Nächste. Die Menschen gehen ihren eigenen Interessen nach, jeder versucht allzu oft nur für sich das Beste herauszuschlagen. So sieht es aus auf unserer Welt. Leider.
Und wir selber? Wo standen wir dabei und wo stehen wir?
Kommt man mit Liebe im Leben tatsächlich besser zurecht? Braucht man nicht vielmehr Ellbogen und kein zartes Gewissen?
Hat sich womöglich der Glaube, die Sicht des Lebens, die Frage nach der Liebe überlebt?
Wie auch immer wir diese Frage beantworten, diese Welt könnte Gott sich selbst überlassen und gleichsam abwarten, was aus ihr wird. Aber Gott h a t diese Welt keinen Augenblick sich selbst überlassen, auch wenn uns das manches Mal so vorkommt.
Das Alte Testamentes erzählt von Prophetinnen und Propheten, die Menschen zur Umkehr rufen. Und dann hat sich Gott selbst auf den Weg gemacht. Er ist in Jesus Christus persönlich in diese Welt gekommen, um die entscheidende, rettende Botschaft zu bringen. Der Johannesbrief bringt sie in Erinnerung.
Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm – so geht es in unserem Text weiter. In der Liebe bleiben heißt, bei dem bleiben, der die Liebe zu uns gebracht hat, nämlich bei Jesus Christus. Er hat uns gezeigt, was wir ohne ihn nicht wüßten: über uns steht die Wahrheit der Liebe.
Es stimmt: Immer wieder machen wir leider die Erfahrung, wie schwer und oft unerträglich diese Welt und dieses Leben ist. Wir erleben seelische und körperliche Leiden, Unglücksfälle, Katastrophen, Kriege und Hungersnöte. Wir fürchten uns vor Krankheit und Leid, vor Strafe und auch vor einem quälenden Tod. Angst und Sorgen sind oft stärker als Zuversicht und Glaube. Da hat es auch das Wort der Liebe schwer, unsere Herzen zu erreichen.
Da ist es eine Wohltat Jesus zu erleben, wie ihn uns die Evangelisten der Bibel bezeugen. Wie er sich den Kleingläubigen, verzagten und so oft verschreckten Jüngern zuwendet: Wie er ihnen Gottes Willen, s e i n e Wahrheit offenbart. Und wem sich diese Wahrheit erschließt, der wird von seiner Furcht befreit. Denn Furcht ist nicht in der Liebe. Im Gegenteil: Weil Gott Liebe ist, ist in Wahrheit die Liebe allmächtig.
Daraus zieht Johannes die Konsequenz: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Es ist so, dass aus der Liebe Gottes zu uns die Liebe zum anderen Menschen folgen soll. Johannes nennt den Nächsten ,,Bruder" und meint damit jeden, der geliebt werden soll, der es nötig hat, geliebt zu werden.
Und jedem, der meint, Gott nahe zu sein, schreibt er in das Stammbuch: Wer Gott liebt, kann seinen Bruder nicht hassen, darf sich nicht von ihm trennen, sonst ist er ein Lügner. Denn Gottes Gebot lautet: Wer Gott liebt; der liebe auch seinen Bruder und seine Schwester.
Und jeder weiß, wie Geschwister auch untereinander streiten, wie sie auch aneinander leiden - und doch kann niemand ihnen nehmen, dass sie zueinander gehören. Nicht aus eigener Vernunft und Kraft, nicht aus eigenem Tun, sondern durch Vater und Mutter - so wie wir in der Gemeinde seit unserer Taufe Geschwister im Glauben sind, und Gott unser himmlischer Vater ist.
Es geht also um die Gemeinschaft mit anderen Menschen, um die Gemeinschaft untereinander, um unser ganzes Leben also.
Es wäre nun zu leicht gedacht, wenn wir meinten, mit dem Wort von der Liebe wäre nun schon alles gesagt. Denn wir wissen es ja, wie schwer es ist, die Konsequenzen zu ziehen. Eine Frau sagt zu mir. "Gerade das macht mir zu schaffen; Ich gehe zum Gottesdienst und bete - und wenn ich nach Hause komme ist doch wieder Streit in meiner Familie, der Verwandtschaft. Das macht mich ganz fertig."
Ja, wahrscheinlich haben wir alle miteinander unsere Schwierigkeiten mit der Nächstenliebe. Die Realitäten unseres Alltags sind oft genug stärker als unser Glaube, der sich in der Liebe bewähren soll. Deswegen tut es Not, dass Johannes uns den Zusammenhang wieder deutlich macht.
Bevor wir den ersten Schritt der Liebe tun, hat Gott uns schon in die gewaltige Bewegung seiner Liebe hinein genommen. Einer Liebe, die um die Notwendigkeit der Vergebung weiß. Um die Chance, mit Gott und den Menschen neu beginnen zu können. Gott ist mit uns noch nicht am Ende.
Er traut uns die Liebe zu unserm Nächsten zu. ,,Und siehe, ich bin bei euch, bis an der Welt Ende". sagt Jesus Christus. Ich bin bei euch, wenn ihr euch auf den Weg der Liebe begebt. Ich bin bei euch, wenn ihr auf diesem Weg strauchelt und fallt und ich will euch aufheben und stützen, bis ihr genügend Kraft habt zu lieben, wie ich euch geliebt habe.
In diesem Glauben lasst uns heute einander bestärken mit den Liedern, die um den Geist Gottes bitten, um den Geist seiner Liebe, die Jesus Christus verkörpert hat. Gott hat uns auch Nahrung und Wegzehrung gegeben für diesen Weg. Sein Wort, das uns tröstet und mahnt und Brot und wein an seinem Tisch.
So bleiben wir hinein genommen in ein gewaltiges Tun und finden Kraft, der Sorge und der Lieblosigkeit dieser Welt gewappnet gegenüber zu treten.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
(c) Wolfgang Preibusch, 2011
Erinnerungen an die Konfirmation früher
Die Goldenen Konfirmanden wissen zu erzählen, dass sie sich damals zur Konfirmation in den 30er und 40er und 50er Jahren im alten Pfarrhaus getroffen haben. "Im Konfirmandensaal gab es Butterkuchen für uns. Mädchen und Jungen waren schwarz gekleidet. Die Mädchen hatten noch ihre langen Zöpfe, die nicht selten schon am nächsten Tage abgeschnitten wurden. Die Jungen trugen ihre erste lange Hose; bis dahin hatten sie kurze Hosen und lange Wollstrümpfe getragen. An diesem Tag nun war alles sehr feierlich. Schon am Vortage war mit feinem weissen Sand ein Weg vom Pfarrhaus zur Kirche gestreut worden. Das war die Aufgabe der Vorkonfirmanden, meistenst der Kirchtimker. Zu unserer Zeit wurde der Sand aus einer Kuhle bei Schnackenmühlen geholt. Vor der Kirche wurden die Zeichen für "Glaube, Hoffnung, Liebe" gestreut: In der Mitte ein Kreuz, links ein Herz und rechts ein Anker. Eine schöne Sitte. In der Kirche sangen wir den Choral "Mein Schöpfer steh mir bei..." Es war ein bewegender Tag!
Kirchgang früher
Der Kirchgang früher
Die ältesten Gemeindeglieder erzählten zum 250.jährigen Kirchjubiläum 1989, wie das früher gewesen ist. Man ging zu Fuß zur Kirche. Die großen Bauern fuhren mit Pferd und Wagen. Es kam schon vor, daß ein Fuhrwerk auf der Straße von Hepstedt nach Kirchtimke auf der schmalen Bahn im Winter so dicht an die Fußgänger herangelenkt wurde, daß diesen nichts anderes übrig blieb, als sich schnell zur Seite in den Schnee zu werfen. Man tat gut daran, rechtzeitig zur Seite zu gehen, wenn man eine Peitsche knallen hörte. In Kirchtimke wurde rechts und links von der Kirche in den Gasthäusern "ausgespannt"; die Pferde mußten versorgt werden und die Fußgänger wärmten sich vom weiten Weg auf, besonders im Winter. Auf dem Tisch stand Butterkuchen. Man aß ein Stück und gab einen Groschen dafür. Die Männer tranken noch einen Schnaps, allerdings sparsam. Wie sparsam, das zeigt die folgende Begebenheit: Es soll vorgekommen sein, dass einem Hepstedter auf halbem Wege eingefallen ist, daß er sein Glas vergessen hatte zu leeren; daraufhin ist er umgekehrt und hat den Weg noch einmal gemacht, denn das Glas war ja bezahlt!
Aus der Zeit, als der alte Rundtum keinen Eingang bot, waren rechts und links am Kirchenschiff die Zugänge. Auf der Nordseite ist der Eingang noch erhalten, dessen Zuweg auch direkt zum angrenzenden Gasthaus führte.




