Feierlicher Einführungsgottesdienst
Feierlicher Einführungsgottesdienst
- 30.08.2011 Wümme Zeitung
Gottes Segen und Adlers Fittiche
Von PETER ERDMANN
Wilstedt. "Wilstedt ist ein großes Kirchspiel mit vielen Dörfern und vielen Aufgaben. Darum hat sich die Gemeinde mit Marcus Garras auch einen ,großen' Pastor ausgesucht", sagte Pastor Wolfgang Preibusch aus Kirchtimke in der voll besetzten St.-Petri-Kirche und blickte von der Kanzel zum Seitenschiff des über 1000 Jahre alten Gotteshauses. Dort hatten der neue Gemeindepfarrer, der stattliche 1,98 Meter groß ist, und sein sechsjähriger Sohn Jonathan gemeinsam mit Superintendentin Jutta Rühlemann sowie den langjährigen Wegbegleitern, den Pastoren Richard Hölck aus Hamburg-Wandsbek und Kurt Herrera vom Missionswerk Hermannsburg, Platz genommen. Die Ehefrau Stefanie saß während der feierlichen Amtseinführung mit den drei Töchtern Emma Luisa, Anna-Paula und Clara vorn in der zweiten Reihe - eingerahmt von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes. Am Sonntag, dem zehnten Sonntag nach Trinitatis, auch Israel-Sonntag genannt, endete für die Gläubigen aus Wilstedt, Tarmstedt und den
Nachbardörfern die dreimonatige Vakanzzeit ohne eigenen Seelsorger. Der feierliche Einführungsgottesdienst für Marcus Garras bestand aus drei Abschnitten: dem Einführungsteil durch den Vakanzvertreter Preibusch, dem Einführungsakt mit Segnungen durch die Superintendentin, den Kirchenvorstehern und Garras' Wegbegleitern sowie abschließend der ersten Predigt des neuen Theologen, in deren Mittelpunkt das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten (2. Buch Mose) verbunden mit einem Rück- und Ausblick aus heutiger Sichtweise stand. In diesem Zusammenhang sprach er von "Adlers Fittichen", um die Jungvögel vor dem Absturz zu schützen, und stellte an diesem Beispiel "die Momente des Glaubens, des Vertrauens und der Geborgenheit" heraus, zumal Gottes Spuren manchmal klar, manchmal weniger klar seien. Zuvor hatte Rühlemann Wilstedts neuen Theologen als einen Kirchenmann vorgestellt, der zum einen viel unterwegs gewesen sei und der zum anderen aus seinem Glauben Kraft schöpfe. Ihr, so die Superintendentin aus Osterholz-Scharmbeck weiter, habe Marcus Garras in einem Gespräch bildhaft geschildert, dass auch "wir als Christen ein wanderndes Gottesvolk sind", die ihre Zelte abbauen und wieder aufbauen. Und bevor schließlich Pastor Marcus Garras an die Kanzel trat, gab ihm Jutta Rühlemann folgende Worte mit auf den Weg: "Gehe in Frieden, um Deinen Dienst zu tun." Im Verlauf des Einführungsaktes verlas Marko Müller als stellvertretender Kirchenvorsteher den Wortlaut der Ernennungsurkunde, die der hannoversche Landesbischof unterschrieben hat. Danach erhielt der neue Gemeindepastor durch seine Amtskollegen, Diakonin Sonja Winterhoff und durch den Kirchenvorstand "Gottes Segen".
Seelsorger mit Humor und Schuhgröße 48
Der 43-jährige Marcus Garras wird neuer Pastor der Kirchengemeinde Wilstedt-Tarmstedt
- 24.08.2011 Wümme Zeitung
Von Irene Niehaus
Tarmstedt·Wilstedt. Die Hausklingel funktioniert nicht. Marcus Garras schraubt am Sicherungskasten herum. Doch ohne Erfolg. Ein Elektriker muss her. Umzugskartons lagern im Flur und Wohnraum, und auch im Arbeitszimmer herrscht noch geordnetes Chaos. Bei Familie Garras geht es noch ein wenig drunter und drüber. Kein Wunder, erst vor neun Tagen ist die Großfamilie in das Pastorenhaus an der Rothensteiner Straße in Tarmstedt eingezogen. Der Kirchengemeinde Wilstedt stellt sich ihr neuer Seelsorger am kommenden Sonntag vor.
Wenn der 43-Jährige von einem Raum in den anderen geht, muss er sich bücken. Für seine 1,98 Meter sind die Türen im Pfarrhaus nicht gedacht. "Wenn man so groß ist wie ich, wird man automatisch demütig - man muss sich immer nach unten bewegen", sagt der Mann mit der Schuhgröße 48 und lacht. Am Esstisch, am dem zwölf Stühle stehen, erzählt der vierfache Familienvater offen und locker aus seinem Leben. Ein Buggy ist in die Ecke geschoben, die großen Fenster erlauben einen Blick auf den grünen Rasen und ein kleines Dreirad. Zwei Jahre alt wird seine jüngste Tochter Clara, die älteste, Emma Luisa, ist elf und geht auf die KGS Tarmstedt. Und dann sind da noch die neunjährige Anna-Paula und der sechsjährige Jonathan. Seine Frau Stephanie lernte Garras im Seniorenheim kennen. Er besuchte gerade seine Großmutter, sie jobbte in der Einrichtung. "Es war Liebe auf den ersten Blick - für beide", sagt Garras und lächelt. Mittlerweile sind er und die 39-jährige Montessori-Erzieherin elf Jahre lang verheiratet.
Ihre beiden "mittleren" Kinder besuchen seit ein paar Tagen die Grundschule, nicht in Tarmstedt, sondern in Wilstedt. Das nicht ohne Grund. Denn wenn das Wilstedter Pfarrhaus renoviert ist, zieht die Familie wieder um. Wann, steht noch nicht fest. In vier oder erst in zwölf Monaten.
Vor Wilstedt in Tarmstedt gelebt zu haben, sehen Marcus Garras und seine Frau als Chance, beide Orte gut kennen zu lernen und deren "Lebensgefühl" zu erspüren, erzählt der Geistliche. Er fühle sich "unheimlich wohl" in diesem ländlichen Umfeld, das zudem mit der Nähe zu Bremen und Zeven nicht abgeschnitten sei von der Welt.
Dörfliches Leben kennt er von seinem Heimatort Kakenstorf, der zwischen Buchholz an der Nordheide und Tostedt liegt und in dem Garras von seinem fünften Lebensjahr an mit seinen Eltern wohnte. Das Abitur legte er 1987 in Tostedt ab.
Nach der Reifeprüfung ging Garras zum Theologie-Studium an das Missionsseminar in Hermannsburg. Ein Schritt, der den Dienst in Übersee vorsieht. Ein Missionar wollte Marcus Garras aber nicht werden. "Ich habe mich immer gegen diesen Begriff gewehrt", betont Garras. "Mission wirkte für mich immer wie von oben herab." Er verstehe sich als Begleiter, aber nicht als einer, der von oben herab Glauben vermittele.
Den ersten Auslandseinsatz hatte der 43-Jährige während seines Studiums. Acht Monate lang absolvierte er ein Praktikum in einer deutschen Kirchengemeinde in Süd-Chile. Nach seiner Rückkehr mündete seine Liebe für Spanisch in ein Magister-Studium der Romanischen Philologie, das er ebenso wie das Theologiestudium abschloss. Das kirchliche Anerkennungsexamen legte Garras 1995 ab. Daran schloss sich das Vikariat an, das erste Jahr in Hannover-Herrenhausen, das zweite erneut in einer deutschen Gemeinde im Ausland, dieses Mal in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Dort wirkte er als Pfarrer und als Religionslehrer an der deutschen Humboldtschule. Die venezolanische Natur, schwärmt Garras, sei "unheimlich beeindruckend." Gottesdienste am wunderschönen Strand, auch daran denkt er gerne zurück.
Doch ein Lebensabschnitt prägte ihn und seine Familie besonders. Zehn Jahre verbrachten Marcus Garras und seine Frau in Peru. In der zweitgrößten Stadt des Landes, Trujillo, arbeitete er in einer anfangs kleinen lutherischen Kirchengemeinde, die mit den Jahren wuchs. Er baute die spanisch sprechende Gemeinde mit auf. Bis Dezember 2010 lebten die Garras in dem lateinamerikanischen Land, drei ihrer Kinder wurden dort geboren, besitzen die peruanische Staatsangehörigkeit und sprechen fließend Spanisch. "Es war eine tolle Zeit mit tollen Erfahrungen, die ich nicht missen möchte", schildert Marcus Garras. Er selbst habe jetzt einen anderen Zugang zu Menschen mit Migrationshintergrund, "weil ich selber Migrant war". Auch wenn der Abschied von Peru ein sehr trauriger war, die Garras wollten zurück nach Deutschland, auf das sie sich richtig gefreut hatten. "Wir möchten jetzt sesshaft werden", betont Marcus Garras.
An seinem neuen Wohnort habe er bislang nur gute Erfahrungen gemacht. Nachbarn brachten Brot und Salz zum Einzug, andere halfen mit Dübeln aus. Mit seiner unkomplizierten Art dürfte der bodenständige Seelsorger bei vielen auf offene Arme stoßen. Er selbst bezeichnet sich als geerdet und humorvoll. "Ich lache gerne." Das geht dann manchmal soweit, dass er während der Predigt einen Witz erzählt. Garras spielt zudem gerne Gitarre und leitete während des Studiums einen Chor. Früher ging er gerne Windsurfen und Ski fahren und spielte Tennis, heute kann er beim Schwimmen gut entspannen.
Kottmeier verlässt Tarmstedt
Mittwoch, 23. März 2011
Tarmstedt. Ein Jahr nach der Pensionierung von Pastor Norbert Hintz verliert die Kirchenregion Kirchtimke/Wilstedt/Tarmstedt einen weiteren Pastor. Stephan Kottmeier verlässt die Kirchengemeinde Wilstedt und geht nach Osnabrück, wie er gestern überraschend mitteilte. (...) Ihn reize zudem die neue Aufgabe und der Gedanke ans Stadtleben. Ferner seien seine beiden Kinder mit acht und elf Jahren jetzt noch in einem Alter, in dem sie den Wechsel des Lebensumfeldes leicht verkraften.
Zevener Zeitung, Bert Albers
Artikel vom 23.03.11 - 12:00 Uhr
Er will eine Kirche zum Mitmachen
Seit 25 Jahren verknüpft Pastor Wolfgang Preibusch das dörfliche und das kirchliche Leben
Er will eine Kirche zum Mitmachen
Von Sandra Binkenstein
Kirchtimke. "Mir ist es wichtig, möglichst viele Menschen zu beteiligen", sagt Pastor Wolfgang Preibusch. Seine blauen Augen strahlen, er ist sich seiner Sache sicher. Es gibt wohl kaum einen anderen Beruf, der gleichzeitig so sehr Berufung ist, wie der des Pastors. Seit einem Vierteljahrhundert ist Wolfgang Preibusch der Gemeindepastor von Kirchtimke. Nun feiert er sein Dienstjubiläum und zieht Bilanz.
Während seiner gesamten Studienzeit hatte sich Preibusch ehrenamtlich in der Kirche engagiert. Allerdings nicht in Kirchtimke. Er studierte Religion und Chemie und war gleichzeitig Kirchenvorsteher in seiner Heimatgemeinde, der Kreuzkirchengemeinde in Göttingen. Das Studium in der Studentenstadt Göttingen sollte der Beginn seiner Karriere werden: Wolfgang Preibusch wollte seit der achten Klasse Lehrer für Naturwissenschaften am Gymnasium werden. "Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass ich einmal auf dem Land Pastor werde", sagt er heute. Den Ausschlag für seine berufliche Laufbahn habe letztlich die ehrenamtliche Mitarbeit in der Kirche gegeben. Seine Vikariatszeit verbrachte er in Verden an der Aller.
Als Wolfgang Preibusch mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern nach Kirchtimke ins Pfarrhaus gezogen war, hatte das Ehepaar nicht vor, ein Vierteljahrhundert zu bleiben. Sieben bis zehn Jahre sollten es sein, nicht mehr. "Sieben bis zehn Jahre, das war damals eine unendliche Weite, keine Beschränkung", erinnert sich Preibusch. Er war erst 30 Jahre alt, als er im Februar 1986 Pastor der beschaulichen Gemeinde wurde. Das ist jetzt 25 Jahre her. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir so lange hier bleiben würden." Mittlerweile hat das Ehepaar Preibusch vier Kinder, alle sind aus dem Haus, studieren an Universitäten in Hamburg, Karlsruhe und Göttingen. Seine älteste Tochter Katharina arbeitet als Wirtschaftsökonomin. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, in Kirchtimke zu bleiben, findet Preibusch. "Meine Frau und ich ziehen ein sehr positives Fazit", sagt der Pastor. "Ich schaue ganz dankbar zurück, wir haben viel Unterstützung erfahren." Mit den Nachbarn und den Gemeindemitgliedern habe sich die Familie Preibusch immer sehr gut verstanden.
"Eine so lange Zeit als Pastor - das klappt nur, wenn die Atmosphäre stimmt." Auf dem Land gebe es eine sehr intensive Verknüpfung von dörflichem und kirchlichem Leben, so Preibusch. Und genau darin besteht das Ziel des Pastors: Er will eine Volkskirche zum Anfassen und Mitmachen, er will Menschen miteinbeziehen und beteiligen. Dieses Anliegen zieht sich wie ein roter Faden durch die Dienstjahre von Pastor Preibusch.
Ein Paradebeispiel für die Beteiligung der Menschen am kirchlichen Leben ist die Lektorenarbeit. Die Kirchengemeinde hat seit drei Jahren 15 ausgebildete Lektoren. "Das ist ein großer Gewinn für die Region. Das zeigt, dass die Gemeinde lebendig ist", findet Preibusch. Die Beauftragung von Lektoren war seine Idee, er ist stolz auf die Gemeindemitglieder, die gelernt haben, im Gottesdienst zu predigen. "Ich kenne keine Region in der Landeskirche, die so viele Lektoren hat."
Preibusch hatte auch bei der Gründung des Fördervereins für Kirchenmusik seine Finger im Spiel. Mehr als 60 Mitglieder hat der Verein mittlerweile. Preibuschs Beteiligungsstrategie ist wieder einmal aufgegangen. Ebenso wie damals, als er den Besuchsdienst einführte und Zeit und Energie investiert hat, um den Kassettenservice zu etablieren.
Vieles hat sich im Laufe der bisherigen Amtszeit von Pastor Preibusch verändert. Es gibt Konfirmandenarbeit im vierten Schuljahr, bei der die Eltern beteiligt werden, es gibt den Mini-Club und Frauenkreise, es gibt die Winterkirche, bei der die Gottesdienste zu den Menschen in die Dörfer kommen und vieles mehr. "Die Aufgabe der Hauptamtlichen ist es, andere Menschen zu gewinnen."
Pastor Preibusch dankt vor diesem Hintergrund allen, die sich am lebendigen Gemeindegeschehen beteiligen. "Ich habe das Bild einer einladenden Kirche vor Augen: freundlich, verbindend, zugewandt", sagt er. Seine wasserblauen Augen strahlen wieder, sein sympathisches Lächeln kommt von Herzen.
Was die Zukunft angeht, so hat Wolfgang Preibusch noch gut zehn weitere Jahre als Pastor vor sich. Zusammen mit Pastor Stephan Kottmeier stellt er sich der Herausforderung, in Wilstedt, Tarmstedt und Kirchtimke Gottesdienste zu gewährleisten, obwohl es nur zwei Pastoren gibt. Preibusch will die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden vorantreiben, Synergieeffekte nutzen. Sein Ziel ist eine lebendige Volkskirche über die Grenzen der Kirchengemeinden hinweg.
Und auch die typischen Aufgaben eines Pastors werden in Zukunft weiterhin eine Rolle in seinem Berufsleben spielen. Darin hat er Übung: In den vergangenen 25 Jahren hat Pastor Preibusch rund 5000 Besuche gemacht, etwa 2000 Gottesdienste abgehalten, mehr als 300 Paare getraut und fast 900 Kinder getauft.
Sein Jubiläum feiert Preibusch am Sonntag, 20. Februar, mit einem Nachmittagsgottesdienst in der St. Lambertus-Kirche. Um 14 Uhr geht es los. Von den Menschen, die ihm etwas schenken möchten, wünscht sich Preibusch ein DIN-A-5-Blatt mit einem Grußwort oder einer kleinen Anekdote. Daraus will er sich ein Buch binden lassen. Außerdem wünscht er sich viele neue Mitglieder in den Fördervereinen der Kirchengemeinde. "Andere Geschenke möchte ich auf keinen Fall", sagt der Jubilar.
Wuemme-Zeitung - 01.02.2011 -



