Ev.-luth. St.Lambertus-Kirchengemeinde Kirchtimke

Integrale Gemeindepraxis

Zusammenarbeit ist uns wichtig

Bei uns zeigt sich eine integrale Gemeindearbeit

Integrale Gemeindearbeit zeigt sich nach außen wie nach innen in einem Interesse an Beteiligung und Zusammenwirken möglichst vieler Akteure (Beteiligte, Zielgruppen und Multiplikatoren). Das Zusammenwirken mit anderen ist Teil des Auftrages der Verkündigung des Evangeliums, denn Gott will, „dass allen Menschen geholfen werde“, 1. Tim 2,4.

Im Zentrum integraler Gemeindepraxis steht die Hinwendung zum Nächsten und die Hilfe zu einem gelingenden Leben aus dem Glauben heraus; dazu gehört die Gestaltung der sichtbaren Kirche in der Welt als konkreter Ausdruck der geglaubten Kirche Jesu Christi, an der Menschen Teil haben und Teil gewinnen. Nachgehende Taufarbeit, konfirmierendes Handeln im Lebenslauf, beteiligende Kasual- und Gemeindearbeit, Engagement im sozialen und diakonischen Bereich bestimmen die Gestaltung einer Gemeindearbeit, die das Gespräch und den Dialog sucht, Differenzen und andere Meinungen aushält und zugleich den jeweils eigenen Standpunkt nicht verleugnet und so Echtheit, Vertrauen und Glaubwürdigkeit fördert. Humor und Lebensfreude verbinden sich mit Ernsthaftigkeit und der Bereitschaft, die Lasten anderer mit zu tragen, wie der Apostel Paulus es beschreibt. Römer 12,15: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“

Das verbindende Interesse bei Zusammenarbeit und Kooperation ist der Einsatz für ein gelingendes Leben für Einzelne, eine Gruppe oder ein Gemeinwesen. In der Regel handelt es sich bei Gruppen um Familien oder durch Lebensphasen und Interessen miteinander Verbundene (Kindergarten, Schule, Alters- und Pflegeheime, Landjugend, DRK, Feuerwehr, Initiativen, kommunale Einrichtungen usw.), Gemeinwesen sind im ländlichen Umfeld gemeinsame Lebensräume und Wohngebiete der Dörfer. Kirche bringt dabei ihr spezifisch christliches Menschenbild ein. Unterschiedliche Wege und Methoden werden in einer zielorientierten Arbeit genutzt: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“, 1.Thess 5,21.

Auch im Bereich der eigenen Arbeit im kirchlichen Kontext werden unterschiedliche Arbeitsfelder und Lebenswelten im Zusammenhang der einen Kirche Jesu Christi gesehen. Integrale Gemeindepraxis ist am doppelten Liebesgebot ausgerichtet, versteht sich ökumenisch, sucht die Einheit in der Vielfalt und arbeitet mit vielen zusammen.

© 2012 Wolfgang Preibusch, Kirchtimke

 

-

10 Schritte, die sich bewährt haben...

Zur kirchlichen Arbeit gehört der Glaube an Gottes wirkende Kraft und das Vertrauen, dass Gott in unserer Welt durch Menschen handelt. Für unseren Reformator Martin Luther war darum beides wichtig: Die Bindung an das biblische Wort Gottes, das Hören und Beten, und ein verantwortetes Handeln, dass sich an der Vernunft orientiert. Vernünftiges Planen und Handeln und das immer wieder neue Hören auf Gottes Wort gehören zusammen. Die aktuelle und zukünftige Gemeindearbeitet befindet sich in einem solchen Prozess. Je nach Bedarf und Situation sind unterschiedliche Schritte hilfreich und ist bei dem einen oder anderen Schritt kürzer oder länger zu verweilen. Die folgenden Schritte haben sich in vielen Jahren bewährt und die Reihenfolge ist ein Vorschlag.

Die Schritte beschreiben einen Kreis, der immer wieder aufs neue begangen wird. Dabei sind Atmosphäre und Stil wichtig: freundlich, zugehend, anerkennend, ausdauernd, kommunikativ und einladend!


1. NACH DEM GEMEINSAMEN STANDORT FRAGEN (LEITBILD)
Welches Bild von Kirche bestimmt unser (zukünftiges) Handeln?
(So grundsätzlich und allgemein wie nötig und so konkret und aktuell für die unmittelbare Zukunft wie möglich !)

2. DIE REALITÄT WAHRNEHMEN (POSITIV / NEGATIV)
Erheben: Was ist da in unserer Gemeinde? Wie wird unsere Arbeit gesehen?
Was wird zu recht / zu unrecht von uns erwartet?
Was kann ich allein/mit anderen (nicht) kurzfristig ändern?

3. ZUSAMMENHÄNGE SEHEN (GESCHICHTE / FEHLER)
Gemeinsam überprüfen: Was war bisher? Weshalb so?
Was hat sich (nicht) bewährt?

4. ZIELE FORMULIEREN: WAS SOLL WERDEN?
Wie könnte die nächste Zukunft aussehen? Was wollen wir dafür tun
und lassen? Haben wir eine Übereinkunft?

5. DAS VORHANDENE POSITIV NUTZEN
Fragen: Woran können wir anknüpfen? Wer kann uns unterstützen?

6. ANDERE WEGE AKZEPTIEREN KÖNNEN
Alternative Bemühungen und Versuche würdigen!

7. PHANTASIE ANREGEN UND KREATIVITÄT
Dem Wirken des Geistes Gottes Raum geben
(Ein Leib – viele Glieder / Ein Geist – viele Gaben: Römer 12)

8. ENTSCHEIDEN: WAS IST ZUNÄCHST DRAN ?
Sich zu Prioritäten zwingen, Posterioritäten benennen!
Was muss ich jetzt tun und was muss ich jetzt lassen?

9. KRÄFTE NACH INNEN UND AUSSEN EINTEILEN
Gemeindeaufbau nach innen verstärken (Mitarbeiter/innen für
das Team gewinnen, schulen, begleiten; mit einander über Glaubens- und
Lebensziele sprechen) / nach außen gehen (Aktionen,
Projekte, Besuche, Gemeindeveranstaltungen, Gottesdienste, Werbung)

10. MEHRJÄHRIGE ZIELE/TEILZIELE BENENNEN
Die gegenwärtige Arbeit im Zusammenhang sehen

© Wolfgang Preibusch, Kirchtimke 2011 (überarbeitet)

 

Zehn Kontrollfragen zur Gemeindeleitung

Ein "Gemeindegarten" kann vielfältige Blumen und Früchte hervorbringen. Jeder Garten braucht Gärtner/innen , die einen Blick dafür haben, was auf welchem Boden zu welcher Zeit gedeihen und blühen kann. Sind mehrere Gärtner beteiligt, müssen sie sich natürlich absprechen, " WO und WANN WAS " gepflanzt und gepflegt werden soll.
Ganz ähnlich ist es in der Gemeindearbeit. Je mehr Menschen beteiligt sind, umso wichtiger werden Absprachen, Übereinkünfte und Koordination, damit eine gezielte Gestaltung möglich ist, Ressourcen effektiv genutzt und ein unnötiger Kräfteverschleiß vermieden werden kann. Das im Blick zu haben ist Aufgabe der Gemeindeleitung.

Folgende Kontrollfragen können helfen, sich über den augenblicklichen Stand in der Arbeit im "Gemeindegarten" ein Bild zu machen und zu beurteilen, wie Leitung und Steuerung in der Gemeinde zur Zeit aufgestellt sind:


1.Wer steuert bei uns ?

2. Wissen wir, wohin es gehen soll ?

3. Bleiben wir auf dem Boden ? (Es geht bei uns um konkrete Gemeindearbeit!)

4. Achten wir auf die Stimmung ? (Feiern wir Erfolge?)

5. Fördern wir Begabungen und bringen wir neue hervor ? (Welche?)

6. Leiten wir multiplizierend ?

7. Führen wir mit Liebe und Menschenkenntnis ?

8. Gehen wir methodisch vor und üben wir Abläufe ein ?

9. Machen wir Schritte durchsichtig und überprüfbar ?

10. Nutzen wir Stärken, gestehen wir Schwächen ein und nehmen wir Hilfe an?

© Wolfgang Preibusch 2009

Integrale Gemeindepraxis

"Plädoyer für ein Modell integraler Gemeindearbeit in der Volkskirche"

1. Integrale Gemeindearbeit sucht einander ergänzende Wege in der Gemeindepraxis und beteiligt dabei viele (Ermutigung zur Mitarbeit, Suche nach Verbündeten).

2. Integraler Gemeindearbeit entspricht es, auch auf unterschiedlichen Wegen ein Ziel zu erreichen.

3. Integrale Gemeindearbeit ist am Subjekt orientiert, Gemeindeglieder werden weder als Objekte noch als Unbeteiligte oder Zuschauer gesehen.

4. Integrale Gemeindepraxis arbeitet mit unterschiedlichen Methoden und mit möglichst vielen Beteiligten zusammen.

5. Integrale Gemeindearbeit nimmt aus Liebe zu Gott und den Menschen die Wegbereitung für die Verkündigung des Evangeliums ernst.

6. Integrale Gemeindearbeit begleitet Menschen auf vielfache Weise in ihren Lebensvollzügen.

7. Integrale Gemeindearbeit legt großen Wert auf das biblische Wort Gottes und den Gottesdienst mit seiner geistlichen und integrierenden Kraft. Gleichzeitig sucht sie die Menschen an ihrem Ort und mit ihren Fragen auf.

8. Integrale Gemeindearbeit geht vom Mitarbeiterprinzip aus, alle Christinnen und Christen haben Teil am Auftrag der Kirche.

9. Integrale Gemeindearbeit ist an der Erweiterung der Schnittmenge von persönlichem Glauben und gemeinsam gelebtem Glauben interessiert. Dazu gehört z.B. ein Anknüpfen an Taufe und Konfirmation, die Stärkung von Gemeinschaftserfahrungen (Gottesdienst, Abendmahl, Gruppen, Events u.a.), eine gegenseitige Fürsorge, der Dienst für andere und segnende Stärkung auf dem Weg des Lebens und des Glaubens.

10. Ein integraler Ansatz in Gemeindepraxis und Zusammenarbeit in der Kirche hilft dazu, in gegenseitiger Achtung und Stärkung den gebotenen kirchlichen Dienst zu tun und sich selbst dabei zwar gefordert zu wissen ("wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern" Luk 12,48), sich aber zugleich auch zurück zu nehmen nicht zu überfordern ("ein Geist, viele Gaben" 1.Kor 12).

"Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist." Joh 3,8.

© 2011 Wolfgang Preibusch, Kirchtimke

Konzept aktivierender Projektarbeit unter Partnern

Aktivierende Projektarbeit unter Partnern
(in Grundzügen © Wolfgang Preibusch, Kirchtimke)

Aktivierende Projektarbeit ist ein Gewinn für alle. Sie verbindet in der Gemeinde Menschen und gemeinsame Interessen, ermöglicht Beteiligung und befähigt Menschen dazu, selbst aktiv zu werden und sich zu engagieren - mit eigenem persönlichem Gewinn und zum Wohle der Gemeinschaft.

1. "Projektarbeit":
Es ist hilfreich, die Fülle der Aufgaben und Aktivitäten in einer Gemeinde oder einem Aufgabenfeld als eine Summe von Einzelprojekten zu begreifen, die sich in ein Gesamtbild einfügen. Der gezielte Blick auf ein einzelnes Projekt ermöglicht es allen Beteiligten, überschaubare Strukturen wahrzunehmen und sich selbst in den erkannten Prozessen als handlungsfähig zu erleben, in Analyse, Reflexion und Planung zukünftiger Ausgestaltung der weiteren konkreten Arbeit. Konsequent angewandt führt das zu einer verstärkten strukturierten und organisierten Zusammenarbeit. Damit verbindet sich die Erfahrung, dass Projekte durch Vernetzungen und Beziehungsarbeit nicht nur das Gesamtgefüge stabilisieren, sondern auch die jeweiligen Akteure in ihren Handlungsfeldern stärken.

2. "Aktivierend":
Die Beschreibung "aktivierend" zielt hier im Zusammenhang der Projektarbeit in eine doppelte Richtung; die erfolgreiche aktive Gestaltung eines Projektes setzt eine ausreichende Beteiligung von Mitarbeitenden und Unterstützern voraus. Ohne eine breite gewinnende Aktivierung des Umfeldes hängt ein Projekt an Einzelnen, führt schnell zu Überforderungen, verliert so an Ausstrahlungskraft und die Arbeit fällt wieder allzu leicht in sich zusammen. "Aktivierend" bezieht sich weiterhin auf das je eigene Potenzial und die Fähigkeit zur Entwicklung der bisher blockierten oder noch nicht erkannten Möglichkeiten und Kräfte. Das bedeutet: Aktivierende Projektarbeit ist an selbstbewussten und eigenständigen Partnern interessieret.

3. "Unter Partnern":
Das bisher beschriebene Konzept einer aktivierenden Projektarbeit geht von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aus. Inhalte und Ausgestaltung eines Projektes werden miteinander gewonnen und ausgehandelt. Bestimmendes Bild der Rollenverteilung einer aktivierenden Projektarbeit unter Partnern ist nicht das des Helfers einerseits oder des Hilfsbedürftigen andererseits. Beteiligte sind Subjekte und entscheiden selbst über die Rolle, die sie in der Kommunikation und Projektgestaltung einnehmen. Jeder Schritt setzt erneut das gegenseitige Einverständnis der beteiligten Partner voraus. Ob es um ein Seelsorgegespräch geht, das ich führe oder in das ich hinein gezogen werde, oder ob es sich um das nächste Kinder- und Gemeindefest handelt, das es vorzubereiten gilt: Durch Übereinkunft über das, was gerade geschieht und was als nächstes geschehen soll, kommt es zu einer gelingenden Kommunikation und zum nächsten Schritt im Handeln miteinander.
So kann es z.B. geschehen, dass eine besuchte Frau im Krankenhaus im Verlauf des Kontaktes ein tröstendes Wort in ihrer Situation selbst formuliert und am Ende beide, Besuchte und Besucher, gestärkt aus dem Gespräch herausgehen.

4. "Auslöser, Initiative, Struktur und Prozess":
Projekte können so unterschiedlich sein wie Menschen und ihre Lebenssituationen. Zumeist gibt es auslösende Momente oder konkrete Probleme, die gerade jetzt dies oder jenes Handeln herausfordern. Am Anfang steht nicht das fertige Projekt, sondern in der Regel eine Initiative oder Idee, die kommuniziert wird, an Kraft gewinnt und Konturen erhält. Und dann nimmt eine Sache ihren Lauf, z.B. die Gründung eines Besuchsdienstkreises als Antwort auf den erlebten Bedarf an Kontakt und Kommunikation der Menschen in einer Gemeinde; ein diakonisches Schülerprojekt mit Hausaufgabenbegleitung für Kinder, deren Eltern die Zeit dafür nicht aufbringen können; oder die Gründung eines Vereins „Freundeskreis Asyl“ zur Ausbildung einer Willkommenskultur. Solche Projekte haben ihre je eigene Entwicklungsgeschichte, doch Phasenverlauf, Etablierung und Fortführung unterliegen bestimmten Prozessen, deren Kenntnis und aktive Gestaltung zu einem großen Teil über ihr weiteres Gelingen entscheiden. Angepasste methodische Schritte aus Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement sind inzwischen im kirchlichen Bereich etabliert.


Handlungsschritte und Fragestellungen:

Zum Konzept aktivierender Projektarbeit unter Partnern gehört eine gezielt gestaltete Interaktion. Ich nenne dazu folgende Aufgabenfelder:

- Beziehungen aufbauen und pflegen
- Beteiligung ermöglichen
- Befähigungen fördern
- Begleitung in Anspruch nehmen


Auf der Handlungsebene geht es weiterhin zunächst um die Klärung und ein "klar werden" der Ziele und Wege. Ich nenne dazu einige der wichtigsten W-Fragen, die auch zur Evaluation und regelmäßigen Überprüfung dienen:

- Was wollen wir ?
(z.B. Fragen zur Motivation, Inspiration und den Zielen)

- Wo stehen wir ?
(z.B. Fragen zur Analyse und Reflektion der gegenwärtigen Situation und zum Stand eines Projektes)

- Was können wir und wer sind unsere Verbündeten ?
(z.B. Fragen zu den eigenen Ressourcen, den Stärken und Schwächen sowie den Möglichkeiten in Kooperationen)

- Was ist unser nächster Schritt ?
(z.B. Fragen zur Übereinkunft, zur Absprache von Aufgaben und dazu, wer jetzt handelt)

Bei aller Planung und Anstrengung soll nicht vergessen werden, dass solche aktivierende Arbeit Spaß machen soll und es Menschen Freude bereitet, eigene Fähigkeiten in der Gemeinschaft mit anderen einzubringen und zu entwickeln. Solche Erfahrungen stiften Sinn und führen zu einer Lebensgestaltung, die an einem gelingenden Miteinander interessiert ist und das eigene dafür tun lässt.